Bits & Pieces
Edition #275 | 17.04.2026
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Der US-Präsident riskiert mit der US-Gegenblockade der Straße von Hormus eine ökonomische Eskalation des Konflikts. Doch die Anlegenden bleiben – verhältnismäßig – ruhig. Trotz der Lage im Iran sind die Kurse stabil. Wie kann das sein? Wir verraten es Ihnen. Und wir schauen uns an, weshalb Versorger-ETFs in diesen turbulenten Zeiten die nötige Spannung liefern und wieso bei US-Banken trotz geopolitischer Stürme die Sektkorken knallen. Außerdem im Fokus: Warum ein zweistelliger Gewinnrückgang beim Pharmariesen Johnson & Johnson nichts heißen muss.
Verkauft
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 10.04.2026 und 16.04.2026.
Party am Abgrund?
Während die Weltwirtschaft mit blockierten Handelswegen (Stichwort: Straße von Hormus) kämpft und der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt, knallen an der Wall Street die Korken. Warum?
- Banken-Boom als Taktgeber: Die Giganten JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo haben die Erwartungen pulverisiert.
- Trading-Desks laufen heiß: Bei den sechs größten Banken des Landes stieg der Handelsumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 17 % auf 45 Mrd. $ – Volatilität ist für Handelsabteilungen oft ein Umsatztreiber, auch wenn das Gesamtumfeld riskanter wird.
- Hoffnung vs. Realität: Trotz der Handelsblockade und steigender Energiepreise setzen Anlegende darauf, dass die KI-Rally und die robusten Unternehmensgewinne schwerer wiegen als geopolitische Schocks.
- Das Paradoxon: Blockierte Handelswege schüren Inflationssorgen, doch der Markt setzt auf die „Relative Stärke“ der USA. Die Spekulation: Wenn es global brennt, flüchtet Kapital in den US-Dollar und den US-Aktienmarkt. Bei einer Eskalation würden die Notenbanken stützend eingreifen. Die Krise nährt so die Hoffnung auf billigeres Geld. (Bad news is good news).
- IWF-Ausblick: Der im April veröffentlichte World Economic Outlook warnt vor einer globalen Belastung durch den Nahostkonflikt; infolge hoher Energiepreise senkt der IWF die globale Wachstumsprognose für 2026 auf 3,1 % bei steigenden Inflationsrisiken.
Fazit: Der Markt sieht die Wolken, tanzt aber im Regen – solange die Gewinne und Umsätze sprudeln und die Fed als Sicherheitsnetz gilt.
Bereits vor dem IPO in SpaceX investieren? Der Scottish Mortgage Investment Trust hat das Unternehmen schon im Portfolio. Wie der Einstieg in SpaceX 2018 verlief und wie der Trust bereits frühzeitig das Potenzial von Amazon und Tesla erkannte, erklären Katharina Brunsendorf und Christian W. Röhl. Dabei blicken sie tief in die DNA des 100 Jahre alten Trusts.
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Diagnose: Kerngesund
Der US-amerikanische Gesundheitsriese Johnson & Johnson (J&J) hat seine Diagnose für das erste Quartal 2026 gestellt – und die Markterwartungen geschlagen. Mit einem Gesamtumsatz von 24,1 Mrd. $ konnte ein Wachstum von 9,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erzielt werden. Besonders die Geschäftsbereiche Innovative Medicine und MedTech waren dabei vitale Wachstumstreiber. Die wichtigsten Parameter auf einen Blick:
- Falscher Alarm: Der Gewinnrückgang von über 52 % im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 5,2 Mrd. $ ist kein Fall für die Intensivstation. Die Gewinne im Q1 2025 waren durch einen Sondereffekt massiv aufgebläht. Dabei ging es um die Auflösung von Rückstellungen, die zur Beilegung des andauernden Babypuder-Rechtsstreits gebildet worden waren.
- Zukunftsinvestition: Abschreibungen auf Patente sowie Investitionen in die Forschung & Entwicklung drückten erwartungsgemäß auf den bereinigten Gewinn.
- Medikamentenwechsel: Beim Autoimmun-Top-Seller STELARA kam es aufgrund des abgelaufenen Patents und der Flutung des Marktes mit Generika (Nachahmerprodukten) zu einem Umsatzeinbruch von fast 60 % – der aber insgesamt gut abgefedert wurde, beispielsweise durch die starken Umsätze beim Krebs-Medikament DARZALEX. Das neue – und bereits zugelassene – orale Schuppenflechte-Medikament ICOTYDE soll STELARA strategisch ablösen und an den vorherigen Erfolg anknüpfen.
Der Markt nahm es gelassen. Außerdem bewies J&J abermals, dass blaues Blut durch die Adern des Unternehmens fließt: Mit 64 Jahren kontinuierlicher Erhöhung der Ausschüttung bleibt J&J im Club der Dividendenkönige – weltweit gibt es weniger als 60 von ihnen. Der Titel wird nur gewährt, wenn über 50 Jahre lang kontinuierlich die Dividende erhöht und ausgeschüttet wird.
100 Jahre Heuhaufen
Analyse von 29.081 US-Aktien (1926-2025)

Quelle: „One Hundred Years in the U.S. Stock Markets“ von Prof. Hendrik Bessembinder
Suche nicht nach der Nadel im Heuhaufen, sondern kaufe einfach den Heuhaufen! Das ist einer der bekanntesten Ratschläge von Jack Bogle, dem 2019 verstorbenen Vorreiter des Index-Investings. Um beurteilen zu können, wie gut dieser Rat wirklich war, lohnt sich ein Blick darauf, wie groß die gesuchte Nadel denn eigentlich ist.
Von 1926 bis 2025 entfiel die gesamte Wertschöpfung des US-Aktienmarktes auf lediglich 3,7 % der Unternehmen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt Hendrik Bessembinder, Professor für Finanzen an der Arizona State University, der dafür mehr als 29.000 US-Aktien analysierte. Das bedeutet: Der gesamte Vermögenszuwachs der Wohlstandsmaschine US-Börse wurde von gerade einmal 1.000 Unternehmen gestemmt. Die übrigen 28.000 kamen zusammen lediglich auf eine schwarze Null, wobei mehr als die Hälfte davon unterm Strich sogar Wert vernichtete.
Was bedeutet das für all jene, die langfristig anlegen – zum Beispiel für die eigene Altersvorsorge – und sichergehen möchten, die Nadel im Heuhaufen nicht zu verpassen? Die einfachste Lösung ist, das Credo von Jack Bogle zu befolgen: Man deckt den Markt mit breit gestreuten ETFs komplett ab. Wer stattdessen auf sein eigenes Stock-Picking-Geschick vertraut, findet in Bessembinders Zahlen eine deutliche Mahnung: Nur mit einem extrem diszipliniert über verschiedene Branchen und Regionen gestreuten Einzeltitel-Portfolio bleibt die statistische Chance auf eine der wenigen echten „Nadeln“ im eigenen Korb gewahrt.
KI-Hunger und Stromautobahnen
Versorger sind das Rückgrat des täglichen Lebens. Sie erzeugen Energie, betreiben Netze und beliefern Haushalte und Unternehmen mit Strom, Gas und Wasser. Ein kapitalintensives und stark reguliertes Geschäft, das hohe Investitionen erfordert – gleichzeitig aber stabile Cashflows und Dividenden verspricht.
In Europa stehen die Versorger im Zentrum der Energiewende, wobei es nicht nur um den Zubau bei Wind- und Solarparks geht. Denn der „grüne“ Strom braucht moderne Netze, die den schwankenden Strom-Output intelligent verteilen. Dabei helfen sollen jetzt „Interconnectors“ – länderübergreifende Stromautobahnen, die die EU massiv ausbauen will, um die Versorgungssicherheit und niedrigere Strompreise zu gewährleisten. Bis 2030 soll jedes EU-Land in der Lage sein, 15 % seiner Stromproduktion grenzüberschreitend zu verteilen. Der logische nächste Schritt wären Zusammenschlüsse europäischer Energieversorger und Netzbetreiber. Lockert die EU-Kommission die bislang sehr strikte Fusionskontrolle, könnte das den im Amundi STOXX Europe 600 Utilities gebündelten Versorger-Aktien kräftig Auftrieb geben.
In den USA profitiert die Branche vor allem vom Energiehunger der KI-Rechenzentren. Langfristige Lieferverträge mit Hyperscalern wie Microsoft oder Amazon garantieren planbare Erträge. Gleichzeitig kommt es trotz des breiten Mixes aus fossilen Brennstoffen, erneuerbaren Energien und Atomstrom immer wieder zu lokalen Engpässen und Ausfällen. Allein der auch im iShares S&P 500 Utilities Sector enthaltene Netzbetreiber Exelon will deshalb bis 2029 über 40 Mrd. $ in Übertragungs- und Verteilungs-Infrastruktur stecken.
Insgesamt 74 globale Versorger stecken im Xtrackers MSCI World Utilities. Schwergewichte mit insgesamt rund 14 % Anteil sind die US-amerikanische NextEra Energy und die spanische Iberdrola – wobei der Konzern die Gewinne aus dem Heimatmarkt weltweit investiert und mittlerweile je ein Fünftel seiner Umsätze in den USA und Brasilien erwirtschaftet.
OMR-Tickets zu gewinnen
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Raus aus den Kinderschuhen
Sie werden so schnell erwachsen. Obwohl unser Welt-ETF Scalable MSCI AC World Xtrackers noch nicht einmal eineinhalb Jahre alt ist, bringt er mittlerweile schon über 500 Mio. € Fondsvolumen auf die Börsenwaage. Wichtiger Hinweis: Bis Juni bleibt die Gesamtkostenquote des ETFs noch bei 0,00 %. Ab dem 11. Juni fällt wieder die reguläre TER von günstigen 0,17 % pro Jahr an. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Produktseite von Xtrackers.
Redaktionsschluss: Donnerstag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX