Bits & Pieces
Edition #283 | 12.06.2026
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Der „Bits & Pieces“ zündet die Triebwerke und fliegt direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Schnallen Sie sich an – SpaceX hat Kurs auf den Börsen-Orbit genommen. In dieser Rocket Edition schauen wir auf die astronomischen Zahlen hinter dem IPO und beleuchten, warum das Weltall nicht genug ist für Elon Musks Billionen-Ambition. Außerdem: Wieso die wahren Gewinner des Space-Booms oft ganz bodenständig auf winzigen Siliziumscheiben sitzen und mit welchen ETFs Sie davon profitieren.
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 05.06.2026 und 12.06.2026.
Im Fokus: Hims & Hers Health
Die US-Telemedizin-Plattform liefert nicht nur Abnehmspritzen, sondern auch Meme-Stock-Vibes fürs Depot. Durch die neue Vertriebspartnerschaft mit Novo Nordisk hat CEO Andrew Dudum das Wachstum zwar ordentlich aufgepumpt, doch bei heftigen Kurskapriolen mit Schwankungen von mal eben 50 % brauchen Anlegende Nerven aus Stahl.
Die volle Dröhnung SpaceX gab's gestern im Livestream: Wie weit der Hype noch fliegen kann, welche ETFs die neue Aktie kaufen müssen und wie die Mega-IPOs die Börse herausfordern. Wer nicht dabei war – hier geht's zur Aufzeichnung.
Rakete oder Rohrkrepierer?
Das ist die Frage, wenn SpaceX heute Abend in den Handel startet. Die IPO-Bewertung mit 1,8 Bio. $ entsprechend über 90x Umsatz ist jedenfalls astronomisch hoch, während während die allgemeine Börsenstimmung nervöser geworden ist. Einige KI-Highflyer der letzten Wochen sind zeitweise zweistellig abgesackt – vielleicht auch, weil Investoren Geld locker machen mussten, um beim größten Börsengang der Geschichte dabei zu sein!?
Nicht mehr ganz so locker sitzt das Geld in der Eurozone. Nachdem die Europäische Zentralbank ihren Einlagenzins 2024/25 in acht Schritten von 4 % auf 2 % gesenkt und zuletzt ein Jahr konstant gehalten hatte, folgt nun die Wende: Mit einer Anhebung um 25 Basispunkte reagiert die Notenbank auf die mit 3 % deutlich über ihrem Zwei-Prozent-Ziel liegende Inflationsrate. Für die ohnehin flaue Konjunktur ist das ein Risiko, aber das Mandat der EZB lautet nun einmal Geldwertstabilität – und anders als 2021 will man nun rechtzeitig vor die Teuerungswelle kommen.
In den USA ist die Inflation im Mai sogar auf 4,2 % geklettert, parallel brummt die Wirtschaft. Das würde eigentlich für höhere Leitzinsen sprechen, wohingegen der US-Präsident vehement billigeres Geld fordert. Umso genauer werden Investoren hinhören, wenn der frisch ernannte Fed-Chef Kevin Warsh nach der FOMC-Sitzung am Mittwoch die Lage einordnet. Sollten nur geringste Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank aufkommen, könnten sowohl Aktien- als auch Anleihe-Märkte kräftig durchgeschüttelt werden.
Ein kosmisches Spektakel
Im Jahr 2002 reiste Elon Musk nach Moskau, um gebrauchte Interkontinentalraketen zu kaufen. Dort wurde er von russischen Generälen ausgelacht und gründete frustriert SpaceX. „Raketen, really?“, sagte selbst Maye Musk – Musks Mutter – bei einem Investorenevent von JPMorgan Anfang Juni. Sie habe damals die Augen gerollt. Musk erntete viel Spott für seine scheinbar wahnwitzigen Ziele.
Nach drei Fehlstarts stand sein Weltraum-Venture 2008 sogar vor dem Bankrott. Heute dominiert SpaceX den globalen Markt für Orbital-Starts mit rund 85 % der transportierten Nutzlast-Tonnage. Dazu Starlink: Ein Satelliten-Netzwerk, das Breitbandinternet in die entlegensten Winkel der Welt bringt und zum globalen Mobilfunk-Carrier ausgebaut werden könnte.
Doch das reicht nicht für eine Billionen-Bewertung an der Börse. Deshalb positioniert Musk SpaceX im IPO als KI-Story – orbitale Rechenzentren als weltumspannende Daten-Infrastruktur. Goldman Sachs erwartet sogar, dass die KI-Aktivitäten bis 2030 mehr Umsatz generieren als das klassische Raumfahrt-Geschäft. Genau darin liegt jedoch auch das Risiko. Denn das KI-Labor xAI schrieb 2025 einen operativen Verlust von mehr als 6 Mrd. $ und galt im Wettbewerb mit OpenAI oder Anthropic bislang nicht als Technologieführer.
Gleichzeitig zementiert Musk eine beispiellose Machtkonzentration. Über Spezial-Aktien sichert er sich 85,1% der Stimmrechte und entzieht sich jeglicher Kontrolle. Auch im Hinblick auf Interessenskonflikte: SpaceX kaufte zuletzt massenhaft Tesla Cybertrucks, während NVIDIA-Chips von Tesla zu xAI umgeleitet wurden. Für Tesla-Anlegende ein Warnschuss: Musks finanzielles Interesse an SpaceX ist künftig viermal höher als an Tesla. Damit ist SpaceX keine normale Aktie – eher der Taufschein für eine neue Börsen-Religion.
Rennen der Raketen
Maximale Nutzlastkapazität in niedriger Erdumlaufbahn (LEO)

Quellen: BBC, SpaceX, Blue Origin
Schon lange vor dem Börsengang hat SpaceX Geschichte geschrieben: Mit wiederverwendbaren Raketen, dem Satellitennetzwerk Starlink und ambitionierten Mars-Plänen hat Elon Musk die Raumfahrt-Industrie grundlegend verändert.
Denn das Geschäft ist kapitalintensiv. Jahrzehntelang wurden Raketen nach jedem Flug entsorgt – ein Prinzip, als würde man nach jedem Langstreckenflug ein neues Passagierflugzeug verschrotten. SpaceX hat diesen Standard aufgebrochen: Die Booster seiner Falcon-Raketen landen kontrolliert auf Plattformen im Meer und können erneut eingesetzt werden. Das senkt die Startkosten drastisch.
Genau darin liegt der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Während Konkurrenzunternehmen wie Jeff Bezos’ Blue Origin mit der New Glenn aufholen wollen und die NASA weiterhin auf teure Einweg-Systeme setzt, arbeitet SpaceX bereits an der nächsten Generation.
Das Starship soll künftig über 100 Tonnen Nutzlast transportieren können und damit neue Maßstäbe für Mond-, Satelliten- und Marsmissionen setzen. Nach den jüngsten Testflügen rückt nun der reale Einsatz näher. Gelingt der Durchbruch, könnte Starship nicht nur die Space-Ökonomie verändern, sondern auch den Weg für die nächste Ära der bemannten Raumfahrt ebnen.
Das Space-Ökosystem
Bevor bei einem Raketenstart der Countdown überhaupt bei Null ankommt, läuft hinter den Kulissen ein komplexes Zusammenspiel aus Komponenten, Programmen und Berechnungen ab. Die wahren Piloten sitzen oft auf winzigen Siliziumscheiben. Moderne Trägerraketen sind fliegende Computer, die ohne Hochleistungs-Chips für Steuerung und Navigation am Boden bleiben müssten. Halbleiter-Hersteller wie STMicroelectronics oder AMD profitieren also. Doch Hardware allein reicht nicht aus, um sicher im Orbit zu navigieren.
Allein Starlink hat ein gigantisches Netzwerk von fast 10.000 Satelliten, die mit 27.000 km/h um die Erde rasen. Immense Rechenleistung sowie zunehmend auch künstliche Intelligenz sorgen dafür, dass dieses Netzwerk funktioniert und die Satelliten nicht kollidieren. Dieselbe Technologie wird auch bei Trägerraketen-Systemen angewendet, um beispielsweise einen erfolgreichen Start, eine sichere Flugroute und eine punktgenaue Landung zu berechnen.
Die sogenannte „Space Economy“ ist längst keine Science-Fiction mehr. Die US-Investmentbank Morgan Stanley prognostizierte in einer Studie ein Marktvolumen von 1 Bio. $ bis spätestens 2040. Und um an dieser Wertschöpfung teilzuhaben, muss man nicht zwingend bei einem Raketen-Börsengang mitmachen. Wer den Blick weitet, erkennt ein riesiges Universum an etablierten Tech-Zulieferern, Chip-Giganten und KI-Pionieren, die das Fundament für die Exploration des Weltraums bilden. 56 davon – darunter Rocket Lab, Esco Technologies und Korea Aerospace – stecken im STOXX Global Space Satellites and Drones Index, auf den iShares vor wenigen Tagen einen ETF lanciert hat.
Vom Weltall zurück auf den Rasen: Während SpaceX nach den Sternen greift, schreibt der FC Viktoria Berlin gemeinsam mit uns eine andere Geschichte: Chancengleichheit im Fußball. Passend zum Start der Fußball-WM der Männer verlosen wir daher auf Instagram drei limitierte Tradewife-Sondertrikots der Berlinerinnen.
So landen Sie im Lostopf: @scalable.capital und @fcviktoriaberlin auf Instagram folgen, die Trikots in unserem Beitrag zählen und die Anzahl plus Wunschgröße kommentieren. Das Gewinnspiel endet am 17.06.2026 um 23:59 Uhr.
Rentenrakete
Das Altersvorsorgedepot kommt im Januar 2027 und ist ein Gamechanger für die private Rente in Deutschland. In einer Sonderfolge von Asset Class nehmen sich Christian W. Röhl und Katharina Brunsendorf das neue Modell vor und beantworten Ihre Fragen zum Riester-Nachfolger.
Redaktionsschluss: Freitag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX