Bits & Pieces
Edition #287 | 10.07.2026
Meistgehandelt | Märkte und Makro | Chart der Woche | Renk | US-ETFs | Altersvorsorge im Fokus
Die Zeichen beim NATO-Gipfel in Ankara stehen weiterhin auf Aufrüstung. Darüber dürfte sich auch der deutsche Militärantriebe-Hersteller Renk freuen, der gerade einen historischen Deal verkündet hat. Außerdem schauen wir uns die vielleicht lohnendste Phase des Investierens an, nämlich die Entsparphase. Wie Sie die Früchte Ihres Depots besonders schonend ernten können, erklären wir Ihnen anhand der 4-%-Regel. Und – erste Reihe kann jeder, wir zeigen Ihnen die Hidden Champions im US-Börsenmarkt.
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 03.07.2026 und 09.07.2026.
Im Fokus:
Die andauernde Achterbahnfahrt an den Ölmärkten spült dem Energiekonzern TotalEnergies ordentlich Geld in die Kassen. Doch auch ohne den geopolitischen Rückenwind brummt das Geschäft. Die Pariser profitieren von ihrem breiten Energiemix. Seit dem Allzeithoch Ende März hat die Aktie wieder etwas nach unten korrigiert.
Warten auf Warsh
Ob Kevin Warsh wohl das Wochenende genießen kann? Am kommenden Dienstag und Mittwoch werden in den USA die Verbraucher- und Erzeugerpreise für Juni veröffentlicht. Diese beobachtet die Fed mit Argusaugen, um zu sehen, wie schlimm es um die Inflation steht. Der frischgebackene Chef der Zentralbank hat mehrmals betont: „Prices are too high“. Für ihn hat die Inflationsbekämpfung Top-Priorität.
Der Druck ist hoch. Die Kerninflation, die Lebensmittel- und Energiepreise ausklammert, lag zuletzt bei 2,9 % – deutlich über dem Fed-Ziel von 2 %. Zölle, hitzige KI-Investments sowie der nicht enden wollende Konflikt mit dem Iran sorgen für anhaltend hohe Preise.
Die bevorstehenden Daten liefern somit eine erste Einschätzung, ob Warsh die Zinsen nach vier Pausen in Folge beim nächsten FOMC-Treffen Ende Juli anheben wird – und Kredite damit teurer werden. Bevor die Fed jedoch das Zepter übernimmt, läutet die Wall Street die Berichtssaison zum zweiten Quartal ein. Wie üblich legen die Wall-Street-Banken vor.
Vorzeitig pleite oder reich sterben?
Entspar-Szenarien mit vier Entnahme-Startpunkten

Quellen: MSCI ACWI, Scalable Chief Economist
Geld verdienen, sparen und investieren: Vermögensaufbau ist wichtig und richtig. Aber irgendwann kommt der Moment, wo man vom Vermögen leben will oder muss – um die vielbeschworene finanzielle Freiheit zu genießen oder im Ruhestand die Rentenlücke zu stopfen.
Dann rückt die 4-%-Regel in den Fokus. US-Studien besagen: Wer jährlich 4 % des zu Beginn der Entsparphase vorhandenen Depotwerts entnimmt, kommt mindestens 30 Jahre mit dem Vermögen aus – auch wenn die Entnahmen kontinuierlich an die Inflation angepasst werden. Wenn das ganze Geld in Aktien steckt, geht die Rechnung allerdings bisweilen nicht auf:
- Das Pleite-Risiko: Hätte man 1973 oder 1999 nach der simplen 4-%-Regel mit dem Entsparen begonnen, wäre das Kapital wegen der Kurseinbrüche zu Beginn der Entnahmephase schon nach 20 Jahren aufgezehrt gewesen.
- Das Luxus-Problem: In den meisten anderen Entspar-Szenarien, die man auf Basis des MSCI AC World Index seit 1970 ableiten kann, bleibt derweil selbst nach drei Jahrzehnten noch ein komfortables Restvermögen. Ab 1980 hätte sich ein Welt-Depot trotz der Entnahmen nochmal verzehnfacht, ab 1991 mehr als verfünffacht: Angesichts steigender Aktienkurse ist die 4-%-Regel zu bescheiden gewesen – man hätte sich mehr gönnen können.
Grund genug für einen Deep Dive rund ums Entsparen. Welche Entnahme-Strategien es gibt, warum Anleihen dabei genauso unverzichtbar sind wie Aktien und wie wir unser Portfolio schon heute auf effizientes Entsparen vorbereiten können – das bespricht Christian W. Röhl in der neuen Folge von Asset Class mit Markus Weis, dem Gründer der auf Ruhestandsplanung fokussierten Plattform Retire Capital.
Prallgefüllte Pipeline
Ein einstiger Erzrivale wird zur Tochter. Der bayerische Militärantriebe-Hersteller Renk plant, seinen britischen Kontrahenten David Brown Defence (bislang im Besitz des Finanzinvestors Stellex Capital Management) zu schlucken. Die Unternehmen duellierten sich bereits im Zweiten Weltkrieg als Ausrüster der Wehrmacht bzw. des britischen Militärs. Nach dem Krieg verlagerte sich die Rivalität in die NATO. Wer Panzer aus europäischem Hause orderte, musste zwischen dem deutschen Leopard 2 samt Renk-Getriebe und dem britischen Challenger wählen. Dank des Deals, der noch behördlichen Genehmigungen unterliegt, wird Renk zu Europas Monopolist für schwere Militärantriebe aufsteigen.
- An Bord: Renk stärkt so nicht nur an Land sein Portfolio. Durch die geplante Übernahme verschaffen sich die Augsburger Zugang zu den Marineprogrammen der Briten mit einem Auftragsvolumen von umgerechnet mehr als 820 Mio. € bis 2030 und Kunden wie Großbritannien, Australien und Kanada.
- Volle Fahrt voraus: Zuletzt lief es bereits sehr gut für Renk. Das erste Quartal brachte den bislang besten Jahresauftakt der Firmengeschichte mit einem Auftragseingang von 582,3 Mio. € nach 548,6 Mio. € im Vorjahr. Mehr als 90 % der Jahresumsätze 2026 sind bereits vertraglich gesichert.
- Weiterer Hebel: Dank der weltweiten Aufrüstung fließt zudem so viel Geld in Wartung und Ersatzteile wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Renk setzt daher verstärkt auf sein margenstarkes Aftermarket-Geschäft.
Zusätzlichen Schub für Renk brachte der NATO-Gipfel im türkischen Ankara diese Woche. US-Präsident Donald Trump betonte mal wieder seine Forderung an die EU-Länder, ihre Verteidigungsausgaben hochzuschrauben. Renk dürfte dem nicht widersprechen.
Die heimlichen Stars der Wall Street
Die Schlagzeilen um den KI-Siegeszug der Tech-Titanen in den USA haben sich zuletzt überschlagen. Doch auch in der zweiten Reihe, abseits des Rampenlichts, verbergen sich wahre Champions, auf die sich ein Blick lohnt. So hat der Small-Cap-Index Russell 2000 das stärkste erste Halbjahr seit 1991 verzeichnet.
Der Grund: Der KI-Hype ist in der breiten Wirtschaft angekommen und verleiht auch kleineren Unternehmen in Bereichen wie Kühlsysteme, Energie oder Anlagenbau Schub. Ein Beispiel ist der Brennstoffzellen-Hersteller Bloom Energy. Durch den enormen Strombedarf der KI-Rechenzentren hat die Aktie zuletzt extremen Auftrieb erfahren. Aktionärinnen und Aktionäre haben mit einem ETF die Möglichkeit, in den Russell 2000 zu investieren. Zwar gilt der Index mit etwa 40 % an unprofitablen Unternehmen als volatil, doch genau diese Titel trieben die jüngste Rally an – außerdem lässt sich mit dem ETF das Risiko auf die etwa 2000 gelisteten Titel streuen.
Wer weniger riskant investieren möchte, kann sich aber auch auf anderem Wege an der zweiten US-Börsenreihe beteiligen. Bei S&P müssen Unternehmen über die letzten vier Quartale hinweg profitabel gewesen sein, um aufgenommen zu werden. Das gilt für den Leitindex S&P 500 ebenso wie für die Indizes der Mid Caps im S&P 400 und die Small Caps im S&P 600.
Produkt-Highlight
Halbleiter, Hyundai und Haubitzen
Auf dem koreanischen Markt gibt der KI-Boom den Takt vor. Der Speicherchip-Gigant SK Hynix geht beispielsweise mit einem Zweitlisting an die Nasdaq, um frisches Kapital für das teure Chip-Rennen einzusammeln. Denn: Zusammen mit Samsung möchte SK Hynix insgesamt 1,3 Bio. $ für die heimische KI-Infrastruktur ausgeben. Die beiden Tech-Schwergewichte dominieren südkoreanische Indizes wie den FTSE Korea 30/18 Capped Index, in dem sie allein mehr als 50 % des Gewichts ausmachen.
Im Schatten der KI-Highflyer versteckt sich aber eine stark aufgestellte Industrie. Die Hyundai Motor Group etwa ist nach Toyota und Volkswagen der nach Absatz drittgrößte Autohersteller der Welt. Gleichzeitig erlebt die südkoreanische Rüstungsindustrie eine starke Nachfrage, da NATO-Partner oft mit langen Lieferzeiten kämpfen und sich deswegen nach alternativen Quellen umschauen. Polen beispielsweise hat seit 2022 bereits 360 K2-Kampfpanzer bei der ebenfalls börsennotierten Tochter Hyundai Rotem bestellt, wobei der Deal eine mögliche Erhöhung auf bis zu 1.000 Geräte vorsieht. Dazu kommen insgesamt 672 K9-Panzerhaubitzen vom Rüstungskonzern Hanwha Aerospace.
Mit dem Franklin FTSE Korea UCITS ETF holen Sie sich diese Mischung aus KI-Profiteuren und einer starken Industrie ins Depot. Der ETF bündelt über 150 südkoreanische Large- und Mid-Caps und hat eine Gesamtkostenquote von nur 0,09 % pro Jahr. Damit ist der ETF ein echtes Schnäppchen.
Warum das AVD kein „Riester 2.0“ wird
In dieser Rubrik beantworten wir kurz und knapp Ihre wichtigsten Fragen rund ums Altersvorsorgedepot (AVD).
Wie unterscheidet sich das Altersvorsorgedepot (AVD) von Riester? Was ist notwendig, um nicht zum „Riester 2.0“ zu werden?
Damit das AVD nicht zum „Riester 2.0“ wird, wurden vier Hebel umgelegt:
- Wegfall des Garantiezwangs: Höhere Renditechancen durch Investitionen in renditeorientierte Anlagen (bspw. ETFs).
- Kostenführerschaft: Durch den Depot-Ansatz entfallen komplexe und teure Versicherungsmäntel.
- Flexibilität: Der Zwang einer lebenslangen Leibrente wurde aufgelöst und die Anlegenden können nun auch einen flexiblen Auszahlungsplan wählen.
- Einfachheit: Durch das Standarddepot und eine deutlich vereinfachte Zulagenlogik wird das AVD deutlich leichter für Anlegende zu verstehen.
Der „Kulturwandel“ ist real: Der Kapitalmarkt wird endlich als Beteiligung an realwirtschaftlicher Wertschöpfung verstanden. Der ETF-Sparer wird zum neuen Normalbürger der Altersvorsorge.
Redaktionsschluss: Freitag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX
