Bits & Pieces
Edition #285 | 26.06.2026
Meistgehandelt | Märkte und Makro | Podcast | Beratung | Chart der Woche | Britische ETFs | Scalable News
Bundeskanzler Merz will die Reformvorschläge der Rentenkommission als Gesamtpaket umsetzen. Das könnte für ordentlich Reibung in Berlin sorgen. Apropos Reibung: Der britische Premier Keir Starmer kündigte seinen Rücktritt an. Der Grund? Ein rasanter Popularitätsverlust. Wir ordnen ein, was das für den britischen Aktienmarkt bedeutet. Brisant ist die Lage auch bei Accenture: Der IT-Consultant erlebte gerade den schwärzesten Tag seiner Börsengeschichte. Hat KI das Beratungsgeschäft bereits vollends verdrängt oder liegt die Wall Street falsch?
Verkauft
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 19.06.2026 und 25.06.2026.
Im Fokus:
Als weltweit aufgestellter Industriegas-Spezialist mischt Linde auch in der Raumfahrt mit und liefert essentielle Gase wie flüssigen Sauerstoff oder Wasserstoff für Raketentreibstoffe. Das hat die UBS dazu bewogen, die Kaufempfehlung für den Titel zu unterstreichen. Die Aktie notiert nur knapp unter ihrem Allzeithoch.
Hype vs. Markt-Mathematik
An den Märkten bricht aktuell die Phase an, in der große Zukunftsnarrative den Realitätscheck bestehen müssen. Ob beim SpaceX-IPO, der Abkühlung im Rüstungssektor oder dem beispiellosen Kapitalhunger im KI-Rennen: Überall prallt pure Euphorie jetzt auf Markt-Mathematik.
Express-Aufnahme: Bei SpaceX greift für die Index-Aufnahme die Fast-Track-Regelung. FTSE hat die Aktie bereits integriert, MSCI zieht heute auf Schlusskursbasis nach. Trotz astronomischer Bewertung ist der Einfluss auf Weltportfolio-ETFs wie den Scalable MSCI AC World Xtrackers UCITS ETF verschwindend gering (erwartet werden unter 0,1 %). Indizes gewichten nach dem frei handelbaren Streubesitz – und der liegt bislang unter 5 %.
Kettenreaktion: Seit dem Allzeithoch von über 2000 € hat Rheinmetall sich halbiert. Das Aus für das Fregatten-Projekt F126 belastet nun den geplanten Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS (Leopard 2). Die erwartete IPO-Bewertung ist bereits von 25 Mrd. € auf 15-18 € geschrumpft. Die Krux: Der Bund will vorab 40 % der Anteile. Für den Markt bleiben wohl nur rund 20 % übrig – und Privatleute sind beim IPO ohnehin außen vor.
Der Riesen-Deal: Der südkoreanische Chip-Champion SK Hynix strebt ein Zweitlisting an der US-Nasdaq an.Wenn es Brei regnet, hält SK Hynix eben gleich einen ganzen Eimer raus, um die gigantische Summe von bis zu 29 Mrd. $ einzusammeln. Das Vorhaben unterstreicht, wie extrem kapitalintensiv das technologische Wettrüsten bei High-End-Speicherchips für KI-Anwendungen aktuell ist.
Freie Hand für Fed-Chef Warsh. Aus den jüngsten Äußerungen von US-Finanzminister Scott Bessent schließt die Wall Street: Das Weiße Haus unter Trump signalisiert „grünes Licht“ für potenzielle Zinserhöhungen, die es braucht, um die Inflation dauerhaft zu stabilisieren.
Burberry, Ralph Lauren, Louis Vuitton: Ikonische Marken – doch was macht sie aus? Wie viel Rendite steckt in einer Rolex oder einer Birkin Bag? Und ist Luxus wirklich ein Investment oder doch eher teurer Konsum? Darüber spricht Christian W. Röhl mit Fashion-Insider und SPIEGEL-Bestsellerautor Ben Bernschneider: Er teilt seine persönliche Perspektive auf Lifestyle, Sammelleidenschaft und den wahren Wert von Dingen.
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Totgesagte leben länger
Accenture hat Mitte Juni mit einem zweistelligen Minus den schwärzesten Tag seiner Börsengeschichte erlebt. Die Aktie liegt inzwischen zwei Drittel unter ihrem Allzeithoch. Offizieller Auslöser waren eine gesenkte Jahresprognose und schwächere Auftragseingänge. Die gängige Panik-Erzählung an der Wall Street lautet: „KI automatisiert das Coding, das Geschäftsmodell der IT-Beratung ist tot.“
Doch wer die Lupe ansetzt, merkt schnell: Der Markt verwechselt hier gerade eine langsame KI-Adaption in der echten Wirtschaft mit einem KI-Scheitern. Warum der monumentale Dip eine klassische Kontra-Chance sein könnte:
- Großkonzerne sind keine Start-ups: Die Börse dachte, Fortune-500-Unternehmen integrieren generative KI über Nacht. Die Realität ist ernüchternd komplex. Datenschutz, alte IT-Infrastrukturen und Budget-Vorsicht bremsen das Tempo. Die gesenkten Prognosen von Accenture spiegeln genau diese Verzögerung wider, nicht das Ende des Trends.
- Das Berater-Paradoxon: Je komplizierter, langwieriger und fehleranfälliger die KI-Transformation für die Old Economy wird, desto mehr wird externe Beratung benötigt. Accenture sitzt hier als globaler Marktführer am längsten Hebel.
- Historischer Rabatt: Durch den Ausverkauf ist die Aktie mit dem 11-fachen des Gewinns bewertet. Wenn das Unternehmen weiterhin verlässliche Milliarden-Cashflows generiert, ist das ein fast schon unverschämtes Bewertungsniveau.
Die Bottom Line: Die Börse hat wieder einmal die Geduld verloren. Für langfristig orientierte Anlegende könnte die aktuelle Korrektur bei Accenture daher eher eine solide Value-Gelegenheit als ein echtes Warnsignal sein.

Wir können nur schwer Vorhersagen treffen. Wir tun so, als könnten wir es. Aber in Wirklichkeit können wir es nicht.
Alan Greenspan, kürzlich verstorbener Ex-Fed-Chef und Notenbank-Legende, 2013, in „The Daily Show“ mit Jon Stewart
Hätte, hätte … Aktienrente!
MSCI AC World: Monatlicher Sparplan mit 2 % vom durchschnittlichen Bruttoverdienst seit 2000

Quelle: MSCI (Index abzgl. TER 0,2% p.a.), Destatis (Bruttoverdienst), Scalable Chief Economist
13 Mitglieder, 150 Sitzungsstunden und 33 Empfehlungen für eine Reform der gesetzlichen Alterssicherung: Das ist die Bilanz der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission, die diese Woche ihren Abschlussbericht vorgelegt hat. Auf der Agenda stehen unter anderem die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, das Aus für die „Rente mit 63“, die Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors – und der Einstieg in eine Aktienrente.
Nach schwedischem Vorbild könnte künftig ein Teil der Rentenbeiträge verpflichtend in ein breit gestreutes Aktienportfolio fließen. Ein überfälliger Akt der wirtschaftlichen Vernunft, wie unser Rechenexempel zeigt: Hätte man ähnlich wie die Skandinavier schon ab dem Jahr 2000 die Wohlstandsmaschine Kapitalmarkt für die Rente genutzt und monatlich 2 % des durchschnittlichen Bruttoverdienstes in den MSCI AC World Index gesteckt, stünde unter dem Strich heute ein Gesamtvermögen von über 85.000 €. Davon stammt nur ein Viertel (gut 22.000 €) aus Einzahlungen; der Rest sind Wertzuwächse und reinvestierte Dividenden.
Bis die Kraft des Zinseszins die Rentenkasse entlasten kann, müssen die Reformvorschläge aber erstmal den Koalitionsausschuss passieren und in ein Gesetzespaket gegossen werden. Dabei sollte die Politik auf neue bürokratische Doppelstrukturen verzichten und auf dem aufbauen, was jetzt bereits im Kontext des Altersvorsorgedepots entsteht: Eine digitale Infrastruktur für individuelle Depots und ein fokussiertes privatwirtschaftliches Sortiment an zertifizierten Investments nach dem ETF-Prinzip – einfach, transparent und fair.
Drehtür in der Downing Street
In London rotiert derzeit nicht nur das Riesenrad: Zu Beginn der Woche kündigte Premierminister Keir Starmer seinen Rücktritt an. Das Vereinigte Königreich steuert nun auf die siebte Regierungsspitze innerhalb von zehn Jahren zu. Passend dazu jährte sich diese Woche auch das Brexit-Referendum zum zehnten Mal.
Die Londoner Börse präsentiert sich derweil ziemlich robust. Der Leitindex FTSE 100 hat seit dem Brexit-Votum zwar schlechter abgeschnitten als die Aktien auf dem Kontinent. Das liegt jedoch weniger am politischen Nebel als vielmehr am Branchen-Mix: Der seit Jahren bullenstarke Tech-Sektor kommt im „Footsie“ nicht mal auf ein Gewicht von 1 %. Umso stärker ist die „Old Economy“ vertreten: Industrie, Gesundheit, Konsum sowie Energie und Rohstoffe. Giganten wie Shell, HSBC, AstraZeneca, Rolls-Royce oder der Bergbau-Riese Rio Tinto agieren global. Sie sind zwar im Vereinigten Königreich beheimatet, erwirtschaften jedoch nur einen kleinen Teil ihrer Umsätze auf britischem Boden und sind deshalb von politischen Verwerfungen daheim weniger betroffen. Mit dieser Aufstellung und der günstigen Bewertung ist der FTSE ein mögliches Gegenstück zu Tech- und US-lastigen Welt-Indizes.
Starke Dividenden sind ein weiteres Markenzeichen britischer Unternehmen, etwa beim Tabak-Konzern British American Tobacco oder beim Konsumgüter-Riesen Unilever. Mehr von einem Comeback des Binnenmarktes dürfte die zweite Börsenreihe profitieren – nachdem die im FTSE 250 versammelten Nebenwerte am stärksten unter den Brexit-Folgen gelitten haben.
Produkt-Highlight
Megatrends to go
Spätestens seit dem SpaceX-IPO ist das All der nächste Megatrend. Doch Analystinnen und Analysten von Morningstar finden das Raumfahrtunternehmen overhyped, überbewertet und zu abhängig von Elon Musk. Er kontrolliert über 80 % der Stimmanteile und kann jede Entscheidung im Unternehmen durchdrücken – ein kosmisches Klumpenrisiko fürs Portfolio. Welche Möglichkeiten gibt es also noch, am Weltraum-Megatrend teilzuhaben, ohne in volatile Einzelaktien wie SpaceX investieren zu müssen?
Hier setzt der WisdomTree Megatrends UCITS ETF an. Der ETF bündelt die Megatrends der Weltwirtschaft in einem einzigen Instrument. Mit aktuell über 800 Aktien aus 39 Ländern deckt das Produkt insgesamt 19 Megatrends ab – vom Weltraum und Künstlicher Intelligenz über die Energiewende bis hin zum demographischen Wandel.
Und wem es speziell der Raumfahrt-Trend angetan hat, der profitiert bei diesem ETF zusätzlich von der Diversifizierung. Denn der Weltraum-Boom ist auch ein Tech-Projekt. Keine Rakete verlässt die Startrampe, kein Satellit navigiert durch die Erdumlaufbahn ohne eine komplexe Infrastruktur aus Hochleistungschips, präziser Datenverarbeitung und autonomer Software. So holen Sie sich nicht nur Raketen ins Portfolio, sondern profitieren ebenso vom KI- und Tech-Trend.
Cash-Bedarf?
Die eigenen Assets zu verkaufen, nur weil akut Cash benötigt wird, ist selten die richtige Entscheidung. Es stoppt den Zinseszinseffekt mitten im Lauf und führt oft zu unnötigen Steuerzahlungen. Die smarte Alternative: Nutzen Sie Ihr Portfolio als Sicherheit für einen Kredit – so bleibt Ihr Geld voll investiert und arbeitet weiter für Sie. Bei Scalable können Sie auf diesem Wege nun einen Kredit von bis zu 250.000 € erhalten.
Redaktionsschluss: Freitag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX
