Bits & Pieces
Edition #272 | 27.03.2026
Meistgehandelt | Märkte und Makro | Podcast |
Altersvorsorgereform | Starbucks | Chart der Woche | Industrieländer-ETFs
Schwarzes Gold: Die ganze Welt lechzt danach – allen voran China. Wenn das Öl nicht fließt, drohen auch die Fließbänder in Shenzhen und Peking stillzustehen. Das soziale Leben dreht sich in den pulsierenden chinesischen Metropolen indes immer häufiger um ein anderes schwarzes Gold, das nicht in Fässern, sondern in Tassen serviert wird. Und wenn es nach der Kaffeehauskette Starbucks geht, soll künftig ganz China für seinen Koffein-Kick zu Keramik made in America greifen statt zum heimischen Pappbecher von Luckin Coffee. Außerdem: Industrieländer-ETFs mit mehr oder weniger USA, gute Neuigkeiten zur Altersvorsorgereform in Deutschland und der Siegeszug des Musik-Streamings.
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 20.03.2026 und 26.03.2026.
Schrödingers Seeweg
Wer herausfinden will, ob die Straße von Hormus zu oder offen ist, muss versuchen, hindurchzufahren. Streng genommen hat sie der Iran nach eigener Aussage nämlich nur für nicht-freundliche Schiffe blockiert. Wer damit genau gemeint ist? Unklar. China als enger Partner von Teheran dürfte seine Öltanker jedoch ohne Probleme an den Raketen des Ayatollah-Regimes vorbeibekommen. Laut US-Präsident Donald Trump sollen bisher zehn pakistanische Schiffe die tollkühne Passage durch das Kreuzfeuer zwischen den USA und Iran gewagt haben.
Doch ein Ende des Konflikts ist weiterhin nicht in Sicht. Trump hat die angedrohten Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur zwar verschoben und von laufenden Verhandlungen gesprochen, seine Forderungen stoßen in Teheran aber bisher auf Ablehnung. Außerdem setzt der US-Verbündete Israel seine Angriffe auf das iranische Regime in unverminderter Härte fort.
Für die weltweiten Aktienmärkte war schon die Aussicht auf eine Verhandlungslösung und eine zumindest teilweise Öffnung der Straße von Hormus eine Erleichterung. Der zu Wochenbeginn sinkende Ölpreis ließ den US-Leitindex S&P 500 zeitweise um knapp 2 % und den deutschen Aktienindex DAX sogar um mehr als 4 % nach oben schießen. Diese Relief-Rally währte jedoch nicht lange. Der Goldpreis, der bereits seit vergangener Woche unter Druck war, fiel weiter auf unter 4.500 $ pro Feinunze – damit wurden die Kursgewinne seit Ende letzten Jahres wieder komplett abgegeben.
Im Frankfurter Skytower berät die Europäische Zentralbank derweil, wie man auf die steigenden Energiepreise und die dadurch drohende Inflationswelle reagieren könnte. Im Gespräch sollen zwei Zinsanhebungen noch dieses Jahr sein – die erste womöglich im Juni. So könnte zwar der Anstieg bei der Teuerung gedämpft werden, ebenso aber auch die Wachstumshoffnungen der Eurozone. Für die deutsche Volkswirtschaft steht sogar das für 2026 erwartete Mini-Wachstum von 1 % auf der Kippe – und das trotz Sondervermögen in Höhe von hunderten Milliarden Euro.
„Such nicht die Stecknadel, kauf gleich den ganzen Heuhaufen“, riet Jack Bogle. Der ETF-Pionier ist 2019 verstorben, aber seine Vision von kostengünstiger, langfristiger Teilhabe am Kapitalmarkt lebt weiter. Warum Vanguard keine Themenfonds im Sortiment hat, wie ein Dividenden-ETF das Weltportfolio ergänzen kann und wem der zweitgrößte Asset Manager der Welt eigentlich gehört – das klärt Christian W. Röhl im Gespräch mit Axel Haus von Vanguard.
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Plan jetzt noch besser für morgen!
Ab 2027 soll es ein neues Altersvorsorgedepot geben, in das Sparerinnen und Sparer staatlich gefördert einzahlen können – darauf bereiten wir Sie schon seit einigen Wochen mit vielen Infos intensiv vor. Jetzt gibt es wichtige Neuerungen: Union und SPD haben ihre Reform der privaten Altersvorsorge nachgebessert und planen nun noch mehr Förderung für noch mehr Menschen. Der Bundestag stimmte am heutigen Freitag in der 2. und 3. Lesung ab.
- Bisher sollten nur Angestellte und Beamte von der staatlichen Förderung profitieren. Jetzt dürften auch Selbstständige sie erhalten.
- Die Grundzulage wird angehoben: Insgesamt gibt es jetzt bis zu 540 € statt 480 € jährlich. Für jeden Spar‑Euro gibt es künftig 50 Cent bis zu einer Einzahlung von 360 € im Jahr. Darüber hinaus 25 Cent bis 1.800 €.
- Familien profitieren zusätzlich durch eine volle Kinderzulage bereits bei kleinen Sparbeiträgen: Wer monatlich 25 € in das neue Depot einzahlt, erhält für jedes Kind jährlich 300 € staatliche Kinderzulage – beim ersten Entwurf wäre dafür ein deutlich höherer Eigenbeitrag nötig gewesen.
- Außerdem wird die Begrenzung der Effektivkosten beim Standard-Depot auf 1 % festgelegt. Bisher waren 1,5 % vorgesehen.
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Feine Bohnen in fine China
Starbucks ist die größte Kaffeehauskette der Welt, verliert in China aber zunehmend Marktanteile – allen voran an den Lokalrivalen Luckin Coffee. Denn während Starbucks im wichtigen chinesischen Markt etwas über 8.000 Filialen zählt, feierte Luckin im Februar bereits die Eröffnung seines 30.000. Standorts. Der neue Luckin-Flagship-Store in Shenzhen bietet Sitzplätze auf einer Fläche von 420 Quadratmetern, gedruckte Speisekarten und sogar einen Event-Space. Das Besondere daran? Normalerweise ist die Geschäftsstrategie anders: kleine Abholstationen, radikaler App-Fokus und sehr viel Automatisierung. Bei Luckin ist das Motto „grab and go“.
Starbucks-CEO Brian Niccol verfolgt mit dem Programm „Back to Starbucks“ eine ganz andere Strategie und möchte sich auf die Grundwerte der Kaffeehauskette besinnen. Sofas und Keramik-Tassen feiern weltweit ein Comeback und Baristas werden durch entschlackte Angebote und Arbeitsprozesse entlastet, damit sie Zeit haben, wieder falsche Namen auf die Becher zu kritzeln. Das Ziel ist es, eine operative Marge von 18 % zu erreichen und damit auf das Vor-Pandemie-Niveau zurückzukehren. Aktuell liegt sie bei 9 %, was Niccol mit hohen Investitionen in die Neuausrichtung des Unternehmens begründet.
Immerhin: Im abweichenden Q1 2026 wurde mit einem Umsatz von 9,9 Mrd. $ ein Wachstum von 6 % erreicht. Und der Kurs konnte sich seit Jahresbeginn auch etwas erholen. Ob Niccol den Turnaround für Starbucks – wie vorher bei Chipotle – hinbekommt, werden wir beobachten.
Hier spielt die Musik
Streaming-Umsätze in der Musikindustrie in Mrd. $

Quelle: IFPI Global Music Report 2026
Ob Taylor Swift, Bad Bunny oder AC/DC – der Umsatz mit Audio-Streaming hat in den vergangenen Jahren rund um den Globus rapide zugenommen. Dabei kommt am Platzhirsch Spotify niemand vorbei. Im letzten Jahr hatten die Schweden fast 751 Millionen monatlich aktive User, rund 290 Millionen Premium-Abos sowie eine operative Marge von knapp 15,5 %. Der operative Gewinn lag außerdem bei etwas mehr als 2,2 Mrd. €. Laut Co-CEO Alex Norström verzeichnete Spotify im vergangenen Quartal das größte Wachstum der Nutzerschaft innerhalb eines Quartals jemals.
Konkurrenzangebote wie Apple Music, Amazon Music und Alphabets YouTube Music spielen dagegen eine kleinere Rolle. Branchenfachleute gehen davon aus, dass ihre Musikangebote nur minimale Margen erzielen, da die Gewinne nicht einmal separat ausgewiesen werden. Im asiatischen Raum hingegen ist Tencent Music die dominierende Kraft des Audio-Streamings. Dessen Gesamtumsatz stieg in Q4 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 15,9 %, Spotify konnte im selben Zeitraum ein Wachstum von 7,0 % vorweisen.
Die Streaming-Plattformen dürfen nicht einfach alle Einnahmen behalten: Etwa 70 % der Umsätze fließen als Lizenzgebühren an Labels wie Universal Music oder Warner Music, während rund 30 % bei ihnen bleiben. Eigene Streaming-Angebote haben die großen Labels bislang kaum aufgebaut – weshalb die Branche wohl auch in Zukunft auf Dienste wie Spotify angewiesen bleibt.
Welt oder Wall Street?
Wer sein Geld – beispielsweise für die Altersvorsorge – langfristig anlegen möchte, greift aus gutem Grund häufig zu Industrieländer-ETFs. Sie decken die liquidesten Aktienmärkte der Welt in der Regel zu niedrigen Gebühren ab. Doch ganz gleich, ob der entsprechende ETF den MSCI-World- oder den FTSE-Developed-World-Index nachbildet: Er enthält stets einen riesigen Klumpen USA.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese US-Schlagseite in den Depots bezahlt gemacht. Auf Fünfjahressicht fuhr der normale MSCI World durchschnittlich 13,0 % Rendite pro Jahr ein, der MSCI World ex USA, der US-Titel systematisch ausklammert, hingegen nur 11,8 %.
Doch vergangene Renditen sind keine Garantie für die Zukunft und ein US-Gewicht von mittlerweile rund 70 % birgt ein enormes Klumpenrisiko. Wem diese Abhängigkeit unheimlich ist, kann sich aus einem ETF auf den MSCI World ex USA und einem auf den US-Leitindex S&P 500 seine persönliche Traumgewichtung basteln.
Es gibt aber auch eine Ein-ETF-Lösung: den Invesco MSCI World Equal Weight. Dieser ETF investiert gleichgewichtet in den MSCI World. Das bedeutet, dass Branchenriesen wie Microsoft oder Apple genauso hoch gewichtet werden wie der Schweizer Aufzugbauer Schindler oder der deutsche Ticketverkäufer CTS Eventim. Das senkt nicht nur das Gewicht der Tech-Riesen, sondern auch das Gewicht der USA insgesamt: Statt 70 % sind im gleichgewichteten Pendant nur etwa 42 % US-Werte enthalten.
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Redaktionsschluss: Freitag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX