Bits & Pieces
Edition #284 | 19.06.2026
Meistgehandelt | Märkte und Makro | Podcast | Chart der Woche | ETFs
Was für eine Woche an den Märkten! Während die geopolitische Entspannung den Ölpreis fallen lässt und der neuen Fed-Führung eine unerwartete Atempause bescheren, wirft der epische SpaceX-Börsengang seine langen Schatten auf die Tech-Welt. Dazu blicken wir auf das Trikot-Triell bei der Fußball-WM und zeigen Ihnen, wie Sie das globale Marktgewicht in Ihrem Depot mit cleveren ETF-Paketen völlig neu austarieren können.
Gekauft
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 12.06.2026 und 19.06.2026.
Im Fokus: McDonald’s
Viele Anlegende scheinen nach dem jüngsten Kursrücksetzer eine klassische „Buy the Dip“-Chance zu wittern. Übrigens, wegen keines anderen Unternehmens in den USA gibt es heute mehr Franchise-Millionäre. Möglich macht das die geniale Strategie des Konzerns, der im Kern eigentlich weniger als Burger-Brater, sondern vielmehr als einer der weltweit erfolgreichsten Immobilien- und Lizenzgeber agiert.
Schicksalswoche mit Happy End?
Hinter den Anlegenden liegen zwei extrem turbulente Handelswochen voller marktbewegender Ereignisse. Doch die aktuelle Woche scheint den Märkten leise zuzuflüstern: Atmet durch. Eine Verschnaufpause, bevor es unweigerlich wieder anders wird. Zum Beispiel in Sachen Geldpolitik.
- Die Feuertaufe bei der Fed: Am 16. und 17. Juni leitete der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh seine allererste FOMC-Sitzung. Eigentlich hatte sich der Markt wegen der hartnäckigen Inflation im Mai bereits auf eine sehr restriktive Gangart oder sogar auf weitere Zinserhöhungen Ende 2026 eingestellt. Doch es passierte nichts. Die Zinsen bleiben, wo sie sind. Zumindest bis zur nächsten Sitzung gönnt Warsh den Märkten eine Verschnaufpause. Doch er wird sich der Inflation und der Zinsen annehmen, daran bleibt nach seinem Auftritt kein Zweifel.
- Die Öl-Wende: Die Einigung zwischen den USA und dem Iran entspannt die geopolitische Lage im Nahen Osten schlagartig. Die Straße von Hormus ist wieder offen, und die Ölpreise fallen.Doch die Erleichterung steht auf wackligen Beinen: Denn bei dem Abkommen zwischen den USA und Iranbleiben bislang zentrale Fragen offen – darunter die Zukunft des iranischen Atomprogramms und die Bedingungen für eine dauerhafte Wiedereröffnung der Straße von Hormus.
- SpaceX kauft Cursor: Nach dem spektakulären IPO konnte SpaceX im Börsenhandel weiter zulegen – und Elon Musk nutzt die hoch bewertete Aktie gleich als Akquisitionswährung. Für 60 Mrd. $ übernimmt SpaceX die Coding-Plattform Cursor, um die KI-Kompetenzen des Konzerns massiv auszubauen.
- Apple plant Preisschock: Wer auf das nächste iPhone wartet, muss wohl tiefer in die Tasche greifen. Wegen der drastisch gestiegenen Speicherchip-Preise will der Noch-CEO an der Preisschraube drehen. Tech-Analysten zufolge könnte der Aufschlag im Vergleich zum aktuellen iPhone 17 bei über 20 % liegen.
Takeaway
Die Märkte atmen durch den Öl-Drop spürbar auf. Der gigantische SpaceX-Börsengang hatte den Indizes zuletzt massiv Liquidität entzogen und die Kurse belastet – diese technische Bremse fällt nun weg, wodurch die positive Grundtendenz intakt bleibt. Die Inflation bleibt über dem 2 Prozentziel der Fed, aber der neue Notenbank-Präsident Warsh lässt den Märkten eine Verschnaufpause bis zur nächsten Zinserhöhung.

Kapital fließt dahin, wo es gut behandelt wird. Und Europa muss auf der globalen Bühne um jeden Dollar an Investitionen kämpfen.
Jenny Johnson, CEO Franklin Templeton, im Handelsblatt Invest Podcast
Longevity: Ein Milliardenmarkt – vor allem aber ein Lifestyle. Nicht einfach alt werden, sondern ein langes, erfülltes und vitales Leben führen. Was wir dafür tun können, erklärt Dr. Kati Ernst im Gespräch mit Christian W. Röhl: Unsere wichtigsten Assets – Körper und Geist – genauso strategisch entwickeln wie unser Vermögen. Denn nicht von ungefähr reimt sich Wealth auf Health.
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Wer gewinnt das Match an der Börse?
Das sind die Topausstatter der WM-Teams:

Alle drei Sportartikel-Giganten sind bei der Fußball-WM prominent als Ausstatter am Ball. Und bevor Nike ab 2027 übernimmt, läuft die DFB-Elf ein letztes Mal in adidas auf. Dabei übersetzt sich die Sichtbarkeit auf dem Rasen nicht automatisch in Kursgewinne. Seit dem Ende des Pandemie-Booms 2021 kennen die Kurse unterm Strich nur den Weg nach unten. Die WM ist eine Chance und an der Börse trennt sich nun die Spreu vom Weizen. Dabei trifft das historische Brüderduell aus Herzogenaurach – die legendäre Gründerfehde der Brüder Adolf („Adi“) und Rudolf („Rudi“) Dassler – direkt auf den wankenden Champion aus den USA.
- Das beste operative Momentum hat derzeit adidas. Die Deutschen führen das WM-Feld mit 14 Teams an und punkteten zuletzt mit starken Quartalszahlen, getrieben vom weltweiten Hype um Lifestyle- und Retro-Modelle. Dazu kommen sportliche Highlights wie der Marathon-Rekord in London. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie mit einem leichten Plus stabilisiert.
- Die Nachfahren von Bruder Rudi mausern sich mit PUMA derweil zum Überraschungsausstatter. Hier steht intern alles im Zeichen eines „Übergangsjahres“: Das Unternehmen wird konsequent auf Effizienz getrimmt, und die Börse feiert den radikalen Abbau alter Lagerbestände als gesunden Haussputz. Für Phantasie sorgt auch ein neuer Großaktionär – der chinesische Sportartikel-Riese Anta Sports.
- Ganz anders das Bild beim US-Riesen Nike: Trotz zwölf Top-Teams im Rücken befindet sich die Aktie in einem drastischen Abwärtstrend. Massive Umsatzeinbrüche im Schlüsselmarkt China (zuletzt bis zu 20 % Einbruch) und ein schwächelndes Direktkundengeschäft belasten die Ertragskraft tiefgreifend – da hilft vorerst auch der künftige DFB-Deal nicht.
Key Takeaway: Die Anzahl der Trikots auf dem Platz korreliert nicht zwingend mit der Aktienrendite. Die WM ist eine gigantische Marketingbühne, doch die harten Hausaufgaben für die Rendite werden abseits des Flutlichts gemacht.
Die Neuvermessung des Heuhaufens
„Such nicht die Stecknadel, kauf gleich den ganzen Heuhaufen”, riet einst Jack Bogle, Gründer des Vermögensverwalters Vanguard. Der FTSE All-World ist genau dieser Heuhaufen der globalen Kapitalmärkte: 4.258 Aktien aus 48 Ländern und allen Wirtschaftszweigen von Autos bis Zement. Gewichtet wird nach Börsenwert – weshalb US-Firmen inzwischen über 60 % vom Index ausmachen.
Ein stattlicher Klumpen, wenngleich der Börsengang von SpaceX das Narrativ vom „American Exceptionalism” gerade noch einmal spektakulär unterstreicht. Doch auch abseits der USA gibt es großartige Unternehmen, die zudem oftmals günstiger bewertet sind. Wer diese höher gewichten will, kann zum Xtrackers FTSE All-World ex USA ETF greifen: Die ganze Welt ohne die USA – isoliert betrachtet ein kastriertes Investment, aber als Beimischung zum Welt-Index eine praktische Paketlösung, um den Heuhaufen etwas ausgewogener zu gestalten.
Ein anderer Weg, die Dominanz der Wall Street zu zügeln, ist die Gewichtung nach der tatsächlichen Wirtschaftsleistung – was Amundi mit dem FTSE All-World GDP-Weighted ETF nun erstmals ermöglicht. Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) haben die USA nur einen Weltmarkt-Anteil von gut 30 %. Im Gegenzug kommt China auf fast 18 %, während die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im „klassischen” FTSE All-World nur knapp 3 % auf die Waage bringt. Auch Deutschland, wo der Kapitalmarkt dem BIP ebenfalls hinterherhinkt, erhält ein mit 4,5 % fast dreimal so hohes Gewicht.
Taktgeber der Weltbörsen sind allerdings die Megacaps. „Big is beautiful” lautet das Motto – und von diesem Trend profitiert der iShares Dow Jones Global Titans 50 ETF. Das Portfolio konzentriert sich radikal auf die 50 größten Firmen der Welt, von denen 35 in den USA beheimatet sind. Allein Alphabet, Apple, Nvidia, Microsoft und Amazon haben zusammen knapp 40 % Anteil, während die neun Europäer angeführt von ASML und HSBC nicht einmal ein Zehntel beisteuern.
Redaktionsschluss: Freitag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX