Bits & Pieces
Edition #292 | 14.08.2026
Meistgehandelt | Märkte und Makro | Podcast | Airbnb | Chart der Woche | Japan-ETFs | Produkt-Highlight | Altersvorsorge
Während Deutschland gen Himmel blickte, um die Sonnenfinsternis zu beobachten, schauten viele besorgt auf die sinkenden Pegelstände der Flüsse. Der Rhein beherbergt nicht nur zahlreiche Naturschutzgebiete, sondern ist auch eine der verkehrsreichsten Binnenwasserstraßen der Welt. Wegen des Niedrigwassers haben mehrere Bundesländer sogar das Sonntagsfahrverbot für LKWs ausgesetzt und gelockert, damit Waren und Güter rechtzeitig ankommen. Was das für Konzerne wie BASF und RWE bedeutet, zeigt unser Chart der Woche. Außerdem: Wie Airbnb dank KI auf Kurs bleibt und was die Yen-Intervention für die japanische Börse bedeutet.
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 07.08.2026 und dem 13.08.2026.
Im Fokus: AGNC Investment
Auch für den US-Hypotheken-REIT AGNC Investment hat die Aussicht auf eine Zinspause der Fed zentrale Bedeutung. Das Unternehmen investiert vor allem in staatlich besicherte US-Hypothekenpapiere (Agency MBS) und finanziert diese kurzfristig am Geldmarkt. Die hohen Leitzinsen und die schwankenden Renditen am Anleihemarkt setzten dem Geschäftsmodell zuletzt stark zu. Eine Pause oder spätere Senkungen der US-Zinsen würden die Zinsspanne entlasten und den Buchwert des Portfolios stabilisieren.
Zwischen Hoffnung und Vorsicht
Die US-Inflation hält sich hartnäckig, aber ist wie erwartet leicht zurückgegangen: Im Juli stiegen die Verbraucherpreise um 3,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Kerninflation, bei der die Preise für Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, lag bei 2,5 %. Seit dem Beginn des Irankrieges, als die Teuerungsrate mit 4,2 % im Vorjahresvergleich zeitweise auf ein Drei-Jahres-Hoch geklettert ist, ist die Inflation in den USA etwas abgekühlt. Das FedWatch Tool der Terminbörse Chicago zeigt mit einer Wahrscheinlichkeit von über 60 % eine Zinspause an. Dennoch ist Vorsicht geboten, da die Inflation weiterhin über dem 2-%-Ziel der Fed liegt.
Diesseits des Atlantiks führte die Aussicht auf eine Zinspause zu einem kurzzeitigen Höchstwert beim DAX, der direkt nach der Veröffentlichung der Zahlen auf über 26.500 Punkte sprang. Die Erleichterung verpuffte jedoch schnell: Gewinnmitnahmen drückten den Index bis zum Handelsschluss wieder leicht ins Minus. In Japan gab es einen nachhaltigeren Index-Sprung: Der breite japanische Leitindex Topix erreichte am Donnerstag einen neuen Rekordwert und schloss bei über 4.170 Punkten.
Währenddessen könnte der chinesische Modekonzern Shein endlich bereit für den IPO sein. Unterschiedlichen Medienberichten zufolge soll das Börsendebüt innerhalb der nächsten zwei Wochen stattfinden. Von Shein wurde dies bisher weder bestätigt noch dementiert. Sinkende Margen und steigende Kosten sorgten zuletzt jedoch dafür, dass das Unternehmen in die Verlustzone rutschte. Die zuvor angepeilte Börsenbewertung von einst 64 Mrd. $ wurde entsprechend auf 30 bis 40 Mrd. $ korrigiert. Shein hat außerdem ein großes Rufproblem. Der chinesische Online-Händler für billige Kleidung steht seit Jahren wegen klimaschädlichem Verhalten in der Kritik.
Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet – für die einen sind es Meisterwerke der Mechanik, für die anderen reine Spekulationsobjekte. Aber wie funktioniert der Markt für Luxusuhren wirklich? Tim Stracke hat mit Chrono24 den weltweit führenden Online-Marktplatz für Luxusuhren aufgebaut. Im Gespräch mit Christian W. Röhl erklärt er, warum er in eine Patek Philippe mehr Vertrauen hat als in die allermeisten Währungen.
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Abflug
Für die Reiseplattform Airbnb ist unser Fernweh in den Sommermonaten ein Cashflow-Garant. Trotz Inflationsdruck und steigenden Energiepreisen bleibt die Reiselust weiterhin hoch, wie Branchendaten zeigen. Im Zuge der Zahlen zum zweiten Quartal erreichte die Airbnb-Aktie kürzlich ein Vierjahreshoch. Der Umsatz kletterte um 17 % gegenüber dem Vorjahr auf 3,6 Mrd. $ und übertraf die Erwartungen der Wall-Street-Analysten. Euphorisch reagierte der Markt insbesondere auf die Botschaft, dass sich der Einsatz von KI schon deutlich rechnet.
- Das Beste, was Airbnb je passiert ist: So lauteten die Worte des CEOs Brian Chesky mit Blick auf Künstliche Intelligenz. Im Kundenservice löse KI bereits viele Anfragen eigenständig, was die Support-Kosten pro Buchung im Jahresvergleich um rund 16 % gesenkt hat. Daneben schrumpfen Produktentwicklungszeiten rapide.
- Weiterer Wachstumstreiber: Neben dem Ausbau von Services und Erlebnissen erweitert Airbnb auch das Angebot an Hotelzimmern. Zwar machen Hotels nach wie vor nur einen einstelligen Prozentsatz der gebuchten Übernachtungen aus, sie wachsen jedoch etwa dreimal so schnell wie das Geschäft mit Privatunterkünften.
Für das Gesamtjahr 2026 schraubte die Reiseplattform ihre Prognose hoch: In Aussicht steht nun ein Umsatzwachstum im mittleren 10-Prozentbereich.
Pegel sinkt, Kosten steigen
Diese deutschen Unternehmen sind auf den Rhein angewiesen

Quelle: Eigene Recherche der Scalable-Redaktion
Je heißer die Tage, desto nervöser richten sich die Blicke auf Kaub – einer 800-Einwohner-Stadt in Rheinland-Pfalz. Dort fließt die Hauptfahrrinne des Rheins so flach wie nirgendwo anders in Europas wichtigster Binnenwasserstraße. Deutschland transportiert darüber rund 80 % seiner Binnenfracht. Aufgrund der aktuellen Rekordtiefstände des Wassers, können Schiffe teils nur noch ein Fünftel ihrer üblichen Fracht laden. Die Auswirkungen auf die Natur? Fatal. Für die deutsche Wirtschaft? Teuer. Das zeigt drastisch: Intakte Ökosysteme sind keine Nebensache, sondern das Fundament unserer Wirtschaft.
Besonders betroffen sind Branchen, die große Gütermengen über den Fluss transportieren oder ihn zur Prozesskühlung nutzen, Stichwort Chemie, Stahl und Energie. Beim Stammwerk von BASF in Ludwigshafen etwa werden rund 40 % der ein- und ausgehenden Güter per Schiff transportiert. Im Zuge des extremen Niedrigwassers 2018 hat der Chemieriese bereits spezielle Schiffe mit niedrigem Tiefgang bauen lassen, zusätzlich wird auf Straße und Schiene ausgewichen – das ist jedoch teurer. Höhere Logistikkosten treiben auch die Chemie-Spezialisten Covestro, Lanxess und Evonik um. Wie teuer es wird, werden wir in den kommenden Quartalsergebnissen im Herbst ablesen können.
Geschwitzt wird auch bei Stahlproduzent Thyssenkrupp. Um seine Hochöfen anzufeuern, benötigt der Konzern riesige Mengen Eisenerz und Kohle – diese laufen primär über Schiffe ein. Die eigene Schubschifffahrt wurde aufgrund der niedrigen Pegelstände bereits eingestellt, teurere Spezial-Schiffe sind auch hier gefragt. Die „Rhein-Dürre“ belastet auch RWE: Der Energieversorger importiert über den Fluss Steinkohle und nutzt ihn als Kühlwasserquelle.
Nippons Börse trotzt der Währungskrise
Zur Unterstützung des Yen haben die USA und Japan kürzlich erstmals seit 28 Jahren wieder gemeinsam am Devisenmarkt interveniert, nachdem die japanische Währung auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren gerutscht ist. Die Ursache liegt im eklatanten Zinsgefälle zwischen den USA und Japan. Während die Fed die Zinsen inflationsbedingt kräftig anhob, hielt die Bank of Japan jahrelang an ihrer Lockerungs- und Negativzinspolitik fest. Das hat sogenannte Carry-Trades befeuert, wobei sich Großanleger jahrelang in Japan günstig Yen geliehen haben, um dann in höher verzinste Dollar-Anlagen zu investieren.
Bedeutet diese Währungs-Achterbahn, dass Anlegende den japanischen Aktienmarkt meiden sollten? Ganz im Gegenteil. Seit 2023 machen die Börse Tokio und die japanische Finanzaufsicht Druck, dass gelistete Unternehmen mehr Anreize für Anlegende schaffen und ihre massiven Cash-Reserven abbauen sollen. Der Plan geht mittlerweile auf. Japans Markt strotzt vor Rekord-Aktienrückkäufen, steigenden Dividenden und Investitionen. Zur Veranschaulichung: Im ersten Halbjahr 2026 haben japanische Unternehmen Aktien im Wert von rund 89,79 Mrd. € (16,5 Bio. ¥) zurückgekauft. Im Gesamtjahr 2023 waren es nur ca. 52,24 Mrd. € (9,6 Bio. ¥). Für ein breit gestreutes ETF-Portfolio bleibt Japan damit eine interessante Investment-Chance.
Cashflow mit Kick
Tech-Giganten wie die Magnificent 7 haben den Nasdaq 100 von Rekord zu Rekord getrieben. Um die Kursgewinne zu realisieren, muss man jedoch seine Anteile verkaufen. Wer investiert bleiben und zusätzlich sogar einen Cashflow generieren möchte, kann den über 3 Mrd. $ großen JPM Nasdaq Equity Premium Income Active UCITS ETF nutzen.
Dieser aktiv gemanagte ETF zielt darauf ab, zusätzlich zu den Kursgewinnen des US-Technologiesektors eine monatliche Ausschüttung auszuzahlen. Das Ziel: Eine Ertragsquote von 9-11 % pro Jahr. Dazu bedient sich das Management einer Covered-Call-Strategie: Es verkauft Call-Optionen auf den Nasdaq 100 und verdient für die Anlegenden dadurch sofort Geld in Form der Optionsprämien. Gleichzeitig werden Verluste abgefedert, was den ETF weniger volatil macht als den reinen Nasdaq-Index. Im Gegenzug wird aber auf die Chance von extremen Kursbewegungen oberhalb des Ausübungspreis verzichtet.
Dieses Produkt könnte sich also für diejenigen anbieten, die im US-Tech-Sektor investiert bleiben möchten und monatlich verlässlich ihre finanziellen Früchte ernten wollen.
In dieser Rubrik beantworten wir kurz und knapp Ihre wichtigsten Fragen rund um Altersvorsorge.
Heute: Der Gesetzentwurf zur Frühstart-Renten (FrühStRG) wurde nun vom Bundeskabinett beschlossen.
- Das Prinzip: Der Bund zahlt für Kinder ab Vollendung des 6. bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres monatlich 10 € in ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot. Allein durch die staatliche Förderung liegt der geschätzte Depotwert bei Volljährigkeit bei ca. 2.200 € (bei 7 % Rendite pro Jahr).
- Depot-Anforderungen: Eltern können den privaten Anbieter frei wählen und Zuzahlungen leisten. Voraussetzung ist ein zertifizierter Standarddepot-Vertrag (Effektivkostendeckel von max. 1 %, keine Abschluss- und Vertriebskosten bis zur Volljährigkeit).
- Ohne eigenes Depot: Wird kein privates Depot eröffnet, fließt die Förderung automatisch und ohne gesonderten Antrag in eine staatliche kollektive Anlage.
- Ab Volljährigkeit: Das Depot geht nahtlos in die steuerlich geförderte private Altersvorsorge über.
- Zeitplan: Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten (mit ersten Auszahlungen 2027). Der Start gilt rückwirkend zum 1. Januar 2026 für den Geburtsjahrgang 2020. Ab 2027 rückt jährlich der neue Jahrgang der Sechsjährigen nach. Das parlamentarische Verfahren in Bundestag und Bundesrat steht noch bevor, soll aber im Laufe des Jahres 2026 abgeschlossen werden.
- Vorbereitet sein: Bei Scalable können Sie bereits heute ein Kinderkonto eröffnen und schnellstmöglich mit der Altersvorsorge für Ihren Nachwuchs anfangen. PS: Ein Frühstart-Renten-Depot wird es natürlich ebenso geben.
Redaktionsschluss: Freitag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX
