Bits & Pieces
Edition #274 | 10.04.2026
Meistgehandelt | Märkte und Makro | Podcast | Christian W. Röhl | Unilever | Chart der Woche | DIY-Weltportfolio
Was haben Pop-Göttin Taylor Swift, ein geopolitisches Aufatmen im Nahen Osten und eine nach Zitrone duftende, blitzblanke Toilette gemeinsam? Was nach einem Fiebertraum klingt, war diese Woche Börsenrealität. Während Star-Investor Bill Ackman nach der Universal Music Group greift, reagieren die Märkte auf eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Der Konsumgüterriese Unilever verordnet sich hingegen eine strikte Konzern-Diät nach dem Motto: Mehr Putzmittel, weniger Tütensuppen. Wer sich nach etwas Beständigkeit sehnt, darf sich über den neuen historischen Dividendenrekord im DAX freuen. Außerdem verraten wir Ihnen, wie Kinder in Ihrer Familie und im Freundeskreis reich in Rente gehen können.
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 02.04.2026 und 09.04.2026.
Trügerische Ruhe?
Zwei Wochen sollen die Waffen schweigen: Darauf haben sich die USA und der Iran diese Woche verständigt. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump der iranischen Führung noch damit gedroht, dass eine „ganze Zivilisation untergehen“ werde, sollte die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr nicht sofort wieder geöffnet werden.
Der Preis für ein Fass Brent-Rohöl sank zwischenzeitlich auf rund 92 $, stieg danach aber wieder an. Der Grund: Der Iran blockiert die Straße von Hormus offenbar größtenteils weiterhin. Für eine vollständige Öffnung fordert Teheran, dass Israel auch seine Angriffe im Libanon einstellt.
S&P 500, Nasdaq-100 und Nikkei 225 zogen nach der Verkündung des Waffenstillstands deutlich an. Im deutschen Leitindex DAX profitierte unter anderem Siemens Energy besonders von der Einigung in letzter Minute: Rund 35 % der Aufträge für Gasturbinen stammen aus dem Nahen Osten. Durch eine Befriedung des Konflikts könnten weitere Projektverzögerungen vermieden werden. Auch Infineon war gefragt. Die Eskalation im Nahen Osten hatte die globale Heliumversorgung für die Halbleiterindustrie zuvor empfindlich gestört.
Währenddessen geriet in Deutschland die Commerzbank wieder in den Fokus der Börse. Mitte März hatte die italienische Großbank UniCredit – die bereits knapp 30 % der Commerzbank hält – ein Übernahmeangebot vorgelegt: 0,485 UniCredit-Aktien für eine Commerzbank-Aktie. Ein Angebot, das die zweitgrößte deutsche Privatbank bereits zuvor ablehnte und dies diese Woche noch einmal bekräftigte. Ihr Aktienkurs stieg daraufhin deutlich. Der Übernahmepoker dürfte in die nächste Runde gehen.
Quantencomputing, Global Mining und Rüstung: Wenn ein neues Thema an die Börse kommt, ist der Hype oft grenzenlos. Doch was passiert, wenn die erste Euphorie verfliegt? Christian W. Röhl spricht mit Moritz Henkel von VanEck über die Tücken und echten Chancen von Themen-ETFs und darüber, wie der Anbieter es geschafft hat, den gemessen an der Performance der vergangenen fünf Jahre besten global investierenden Dividenden-ETF auf den Markt zu bringen.
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Mit Taylor Swift zum Buffett-Erben?
Taylor Swift, Lady Gaga und Helene Fischer garantieren volle Stadien und vordere Chartplätze. Die Aktie, die diese – und viele andere – Superstars verbindet, war hingegen bislang kein Hit: Universal Music Group (UMG), das größte Musikunternehmen der Welt, ist auf dem Parkett heute weniger wert als beim Börsengang 2021.
Hedgefund-Milliardär Bill Ackman plant nun die Übernahme von UMG. Der sendungsbewusste Investor mit über zwei Millionen Followern auf X will dafür aber nur wenig Cash in die Hand nehmen – und offeriert vor allem Aktien einer bislang leeren Börsenhülle (SPAC) aus seinem weit verzweigten Imperium. Auf diese Weise würde UMG von der Börse Amsterdam an die New York Stock Exchange umziehen. Zusammen mit Aktienrückkäufen und dem Verkauf der dreiprozentigen Beteiligung am Musikdienst Spotify soll das reichen, um endlich Werte zu heben.
Ein gewagter Deal, der indes zur Metamorphose Ackmans passt. Der Investor will nicht mehr nur mit Aktienpaketen jonglieren, sondern ganze Unternehmen bewegen – so wie Warren Buffett. Kurz nachdem das „Orakel von Omaha“ vergangenes Jahr seinen Rückzug angekündigt hatte, verkündete Ackman, er wolle eine „moderne Berkshire Hathaway“ bauen.
Wirklich vorangekommen ist er dabei noch nicht. Die Immobilienfirma Howard Hughes Holding, die zur Beteiligungs-Boutique werden soll, dümpelt unter seinem Einstiegskurs. Und sein seit 2014 gelistetes Investment-Vehikel Pershing Square Holdings hinkt dem S&P 500 per Saldo hinterher und notiert rund ein Viertel unter dem inneren Wert. Ein klares Misstrauensvotum, auch wegen der saftigen Gebühren, die Ackman abzwackt – während Buffett nur ein symbolisches Gehalt bezogen hat und als Aktionär reich geworden ist. Vielleicht sollte Ackman sein Idol nochmal gründlich studieren, bevor er die nächste Strophe anstimmt…
Auf Diät
Knorr-Tütensuppe, Pfanni-Kartoffelpüree und Mayonnaise von Hellmann’s stehen nicht mehr auf dem Speiseplan von Unilever. Der Konsumgüterriese mit britischen und niederländischen Wurzeln verschmilzt seine verbliebene Lebensmittelsparte mit dem US-Gewürzhersteller McCormick. Bereits zuvor hatte Unilever die Geschäftsbereiche Tee (Lipton) und Margarine (Rama, Becel) verkauft sowie sein Eiscreme-Geschäft abgespalten und als The Magnum Ice Cream Company an die Börse gebracht.
Bei Unilever selbst geht es künftig nur noch um Sauberkeit – mit Wasch- und Putzmitteln wie Coral, Viss und Domestos sowie Körperpflegeprodukten wie Axe, Rexona und Dove. Das Ziel der Diät: Konzentration auf das Wesentliche, um künftig eine bessere Figur an der Börse abzugeben. Auf Fünfjahressicht ist der Kurs der Unilever-Anteile nämlich noch immer leicht unter Wasser. Würde man die Ausschüttungen hinzurechnen, sähe die Sache aber anders aus. Derzeit liegt die Dividendenrendite bei 4,0 % pro Jahr.
Obwohl die Börse Entflechtungen liebt, geriet die Unilever-Aktie nach der Ankündigung des Deals weiter unter Druck. Das Problem: McCormick zahlt vor allem in neuen Aktien, die aus steuerlichen Gründen direkt an Aktionärinnen und Aktionäre von Unilever durchgereicht werden. Nach Vollzug des Deals werden sie also auch Anteile an einem zunächst hoch verschuldeten Food-Konzern halten. Außerdem ist unklar, ob Unilever die derzeit steigenden Energie- und Rohstoffkosten weitergeben kann oder ob die zunehmend preissensitive Kundschaft künftig noch häufiger zu günstigeren Handelsmarken greifen wird. Um die eigene Marktstellung zu verteidigen, hat man dank McCormick aber nun 15,7 Mrd. $ in der Kriegskasse – genug für die eine oder andere saubere Sortiments-Erweiterung.
Historischer Höchststand
Top 5 Dividendenzahler im DAX 2026

Quelle: Dividendenstudie 2026 der FOM Hochschule und der DSW
Neuer Rekord im DAX: 29 von 40 Unternehmen erhöhen 2026 ihre Dividenden pro Aktie. Laut der neuesten Dividendenstudie von der FOM Hochschule und der Aktionärsvereinigung DSW werden die DAX-Konzerne dieses Jahr voraussichtlich 55,5 Mrd. € ausschütten – der höchste Wert aller Zeiten. Den größten Beitrag liefert die Allianz, die je Aktie 11 % mehr zahlt als im Vorjahr. Dahinter folgt die Deutsche Telekom mit einem Plus von ebenfalls 11 %, gefolgt von Siemens. Zusammen repräsentieren die drei Top-Zahler knapp 30 % der DAX-Dividendensumme.
Vier DAX-Konzerne kürzen ihre Ausschüttung, besonders signifikant die drei Automobilunternehmen Mercedes-Benz, Volkswagen und Porsche. Gründe sind unter anderem günstigere Konkurrenten aus China wie BYD und Xpeng sowie der Einbruch des dortigen Absatzmarktes für die deutschen Autohersteller. Deren Lager sind deswegen momentan voll und die Autos werden nur schwer verkauft. BMW hat dagegen sowohl auf E-Autos als auch auf Verbrenner gesetzt. Trotz des Konkurrenzdrucks aus China hat das Unternehmen daher seine Dividende leicht erhöht.
Während die Automobilbranche bei den Dividenden auf die Bremse tritt, geben vor allem Finanz- und Versicherungswerte Vollgas. So stammen rund 25 % des gesamten Dividendenaufkommens in den Auswahl-Indizes DAX, MDAX und SDAX aus diesem Sektor. Langfristig resultieren rund 40 % des Gesamtertrags deutscher Aktien aus Dividenden. Für den langfristigen Vermögensaufbau – etwa mit Blick auf die Altersvorsorge – kommt es dabei vor allem auf die Reinvestition an. Optimal nutzen können Sie den Zinseszins-Effekt der automatischen Wiederanlage von Dividenden mit der DRIP-Funktion im Scalable Broker.
Die ganze Welt als Bausatz
Gewinnen die USA oder China das KI-Rennen? Steigen die Leitzinsen oder fallen sie? Und wann wird das Öl wieder ungehindert durch die Straße von Hormus fließen? Niemand kann diese Fragen mit Gewissheit beantworten. Wer erkannt hat, wie begrenzt die eigene Prognosefähigkeit ist, investiert mit möglichst wenigen Annahmen in die breite Weltwirtschaft.
Prognosefrei zu investieren heißt, die Welt so abzubilden, wie sie ist. Mit einem ETF auf den MSCI World ist es also nicht getan. Doch der beliebte Industrieländer-Index hat einige Vorteile: Er liefert mit knapp 1.500 großen und mittelgroßen Titeln ein solides Fundament für das eigene Weltportfolio und lässt sich ohne große Mühe erweitern.
Was ihm fehlt? Kleine Unternehmen. Sie weisen langfristig sogar eine höhere Performance als ihre großen Brüder auf. Man spricht von der sogenannten Size-Prämie. Zur Wahrheit gehört aber: Diese Outperformance kann über mehrere Jahre hinweg ausbleiben und sich vorübergehend sogar zu einer Underperformance entwickeln. Mit einem ETF auf den MSCI World Small Cap holen Sie sich die kleinen Wilden ins Depot.
Aufstrebende Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien rüsten Sie beispielsweise mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets nach. Wer dabei ein Produkt mit dem Zusatz IMI auswählt, schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Solche ETFs enthalten nämlich nicht nur Dickschiffe wie TSMC, Alibaba oder Tencent, sondern auch eine Auswahl an winzigen Firmen.
Ganz ohne Vorhersagen kommt aber selbst so ein DIY-Weltportfolio nicht aus. Immerhin müssen Sie noch festlegen, wie viel Gewicht Sie den einzelnen ETFs geben wollen. Wer das eigene Ego auch dabei aus dem Spiel nehmen möchte, findet in ETFs auf Weltindizes wie dem FTSE All-World Komplettlösungen, die nicht nachjustiert werden müssen. Kleinunternehmen fehlen zwar auch hier, dafür sind rund 10 % Schwellenländer enthalten.
Sparpaten einladen
Freunde und Familie können jetzt auch für Ihre Kinder sparen. Dazu klicken Sie in Ihrem Profil auf „Ihre Kinder“ und dann „Sparpaten einladen“. Dort ganz einfach Name und IBAN hinterlegen und IBAN vom Kinderkonto mit den Sparpaten teilen. Et voilà: Schon können sich Oma und Opa an dem Zukunftstraum Ihres Nachwuchses beteiligen.
Christian W. Röhl auf der INVEST
Was wollten Sie schon immer mal von unserem Chief Economist Christian W. Röhl wissen? Auf der Finanzmesse INVEST in Stuttgart können Sie ihm diese Fragen nun endlich live stellen. Wann? Am Freitag, dem 17. April, um 14 Uhr. Wo? Auf der FutureNow Stage (Halle 2, 2B01). Hier das komplette Programm der INVEST für Ihren Kalender.
Redaktionsschluss: Donnerstag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX