
Kapitelübersicht
Steuert das deutsche Rentensystem sehenden Auges auf den Kollaps zu? Angesichts einer alternden Gesellschaft, in der immer weniger Beitragszahlende für immer mehr Rentnerinnen und Rentner aufkommen müssen, wirkt der Generationenvertrag fragiler denn je. Während die Politik das Thema oft für kurzfristige Wahlgeschenke nutzt, regt sich Widerstand in den eigenen Reihen. Einer, der diesen Widerstand anführt, ist Pascal Reddig. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der sogenannten Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion stimmte Ende 2025 zunächst gegen das Rentenpaket der eigenen Koalition – ein Novum und ein klares Signal. Im Podcast Asset Class spricht er mit Christian W. Röhl über die Beweggründe seiner Rebellion, die Notwendigkeit einer echten Aktienrente und warum der Kapitalmarkt die soziale Frage unserer Zeit beantworten könnte.
Die Kritik des jungen Abgeordneten am Status quo ist fundamental: Das aktuelle Umlagesystem funktioniere laut Reddig wie ein „Durchlauferhitzer“, bei dem Gelder vereinnahmt und unmittelbar wieder ausgegeben würden, ohne einen nachhaltigen Kapitalstock zu bilden. Diese Mechanik führe angesichts des demografischen Wandels zu einer massiven Belastung des Bundeshaushalts. Zur Einordnung: Bereits jetzt fließen enorme Summen als Bundeszuschuss in die Rentenkasse. Im Jahr 2025 waren es mehr als 120 Mrd. €. Das schränke laut Reddig den finanziellen Spielraum für Zukunftsinvestitionen drastisch ein.
„Wenn wir so weitermachen wie bisher, fahren wir das System gegen die Wand“, warnt Reddig im Gespräch. Er verweist auf Prognosen, wonach in den 2030er Jahren bis zu 97 % des Haushalts durch Sozialausgaben, Zinsdienst und Verteidigung gebunden sein könnten. Für Investitionen in Infrastruktur und Innovation bliebe dann kaum noch Spielraum. Seine Ablehnung des Ende 2025 vorgelegten Rentenpakets sei daher keine Inszenierung, sondern Ausdruck tiefer Sorge um die Generationengerechtigkeit in Deutschland. Für Reddig brauche es jetzt verbindliche Kostenentscheidungen statt vager Reformversprechent.
Doch wie sieht der Weg aus der Krise aus? Hoffnung setzt der Abgeordnete in die neu eingesetzte Rentenkommission, der er selbst als ein stellvertretender Vorsitzender angehört. Unter der Leitung des erfahrenen Managers Frank-Jürgen Weise soll das Gremium bis zum Sommer 2026 ein Gesamtkonzept erarbeiten. Die Prämisse lautet dabei: keine Denkverbote.
Reddig skizziert im Podcast bereits erste Lösungsansätze, die seiner Meinung nach diskutiert werden müssen. Dazu gehöre beispielsweise die schrittweise Koppelung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung. Wer länger lebt, müsse auch einen Teil dieser gewonnenen Zeit im Erwerbsleben verbringen, um das System zu stabilisieren. Gleichzeitig plädiert Reddig für Flexibilität: Anstatt starrer Grenzen könnten Modelle wie ein „Frühstartbonus“ – inspiriert durch das österreichische System – jene belohnen, die besonders früh ins Berufsleben eingestiegen sind und lange körperlich gearbeitet haben. Ziel sei eine Balance, die „das Gesamtsystem stabilisiert und [...] vor allem auch bezahlbar macht“, so der Politiker.
Ein zentraler Pfeiler für eine zukunftsfähige Altersvorsorge ist für Reddig die stärkere Einbindung der Kapitalmärkte. Deutschland hinke hier im internationalen Vergleich weit hinterher. Die Vorbehalte gegenüber Aktien seien oft ideologisch geprägt, gleichzeitig sei die Beteiligung an der produktiven Wertschöpfung der Wirtschaft aber der effektivste Weg zur Vermögensbildung.
„Rente ist die soziale Frage unserer Zeit“, betont Reddig und argumentiert, dass gerade Menschen mit geringeren Einkommen von einem Zugang zum Kapitalmarkt profitieren würden. Wer wohlhabend sei, sorge ohnehin privat vor; die politische Aufgabe bestehe darin, breiten Bevölkerungsschichten diese Chancen zu eröffnen.
Ein konkreter Schritt in diese Richtung ist das geplante Altersvorsorgedepot sowie die sogenannte Frühstartrente, bei der der Staat für jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr einen monatlichen Betrag in den Kapitalmarkt investiert. Dies markiert womöglich eine Zeitenwende in der deutschen Sparpolitik – weg vom Sparbuch, hin zur Sachwertanlage. Reddig sieht hierin den Beginn einer neuen Investmentkultur in Deutschland: „Wir müssen weg von dem Vorwurf, dass der Kapitalmarkt etwas Böses sei.“
Das Gespräch verdeutlicht, dass die deutsche Rentenpolitik an einem Scheideweg steht. Es reicht nicht mehr, an kleinen Stellschrauben zu drehen, sondern bedarf eines fundamentalen Umdenkens. Für Politiker wie Pascal Reddig führt der Weg zu mehr Generationengerechtigkeit über den Kapitalmarkt. Des Weiteren zeigt er sich optimistisch, dass die kommende Reformperiode genutzt werden könne, um das Ruder herumzureißen – vorausgesetzt, die Politik traue sich an unbequeme Wahrheiten heran.
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