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Jahrzehntelang galt in Europa eine einfache Rechnung: Sicherheit liefern die USA, das Geld fließt in andere Bereiche. Doch diese Ära scheint der Vergangenheit anzugehören. Spätestens seit dem Ausbruch des Ukraine-Russland-Konflikts hat sich die sicherheitspolitische Lage auf dem alten Kontinent grundlegend verändert – und mit ihr die Prioritäten europäischer Regierungen. Die Zahlen machen das Ausmaß deutlich: Die Militärausgaben in Europa stiegen 2024 um 17 % gegenüber dem Vorjahr und liegen damit höher als zum Ende des Kalten Krieges. Von den 32 NATO-Mitgliedern erreichten 18 Staaten erstmals die Leitlinie von mindestens 2 % ihrer jeweiligen Wirtschaftsleistung für Verteidigung – ein Jahr zuvor waren es nur elf Länder. Global stiegen die Verteidigungsetats auf den höchsten, jemals gemessenen Wert.1

Grafik: Der STOXX Europe Total Market Defence, Space and Cybersecurity Innovation Index ist ein regelbasierter Aktienindex von STOXX Ltd., der die Wertentwicklung ausgewählter europäischer Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung, Raumfahrt und Cybersicherheit abbildet. Der STOXX Europe 600 Index ist ein regelbasierter Aktienindex von STOXX Ltd., der die Wertentwicklung von 600 großen, mittleren und kleinen börsennotierten Unternehmen aus 17 europäischen Ländern abbildet. Der Chart zeigt jeweils die Wertentwicklung in Euro (indexiert; 100). Zeitraum: 03.01.2020 bis 06.03.2026. Quelle: Bloomberg, eigene Darstellung DWS Investment GmbH, 2026. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.
Auch an den Kapitalmärkten haben diese Entwicklungen zuletzt Spuren hinterlassen. Gegenüber dem europäischen Gesamtmarkt konnte der Verteidigungssektor im weiteren Sinne – inklusive Luft- und Raumfahrt, Satellitentechnologie und Cybersicherheit – eine merkliche Überrendite erzielen (siehe Chartbild). Nicht überraschend zogen nach und nach auch die Mittelzuflüsse in Defence-ETFs an.2 Doch was verbirgt sich überhaupt alles hinter diesen Produkten, was sind die Chancen, die Risiken, und worauf sollte man achten? Der Reihe nach.
Defence-ETFs sind börsengehandelte Indexfonds, die gezielt in Unternehmen der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie investieren. Das Spektrum geht dabei oft über klassische Rüstungsgüter wie Kampfflugzeuge, Panzer oder Raketenabwehrsysteme hinaus: Je nach Index können auch Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt, Satellitentechnologie oder Cybersicherheit enthalten sein.
Eine Besonderheit des Sektors liegt in der Abnehmerstruktur. Die Kunden sind nämlich überwiegend staatliche Institutionen mit langfristig planbaren Budgets.3 Darin liegt ein bedeutender Unterschied zu vielen anderen Branchen, deren Nachfrage stärker von konjunkturellen Schwankungen abhängen kann. Stattdessen hängt die Entwicklung des Sektors vor allem von der geopolitischen Lage ab: Steigende Spannungen und Konflikte können tendenziell zu höheren Verteidigungsbudgets führen.
Im Vergleich zu großen Marktindizes ist die Anzahl der enthaltenen Unternehmen bei Defence-ETFs typischerweise geringer. Viele dieser Produkte umfassen einige Dutzend Werte, wobei eine Handvoll der größten Positionen bereits über 50 % des Fondsvermögens ausmachen können. Diese Konzentration wiederum kann zu stärkeren Kursschwankungen führen als bei breiter diversifizierten ETFs.
Zudem lassen sich heute etliche Ansätze finden, wie man das Thema am besten abbildet. Eine etwas breitere Interpretation des gesamten Sektors – etwa durch die Berücksichtigung von Satellitentechnologie und Cybersicherheit – kann unter anderem einer zu hohen Konzentration in wenigen Unternehmen entgegenwirken. Ein weiteres Merkmal der Verteidigungsindustrie sind die hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Viele Technologien, die ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt wurden, finden später auch zivil Anwendung – etwa in der kommerziellen Luft- und Raumfahrt. Darüber hinaus sind es nicht nur die großen Rüstungskonzerne selbst, die von steigenden Verteidigungsbudgets profitieren. Auch Zulieferer können eine wichtige Rolle spielen: Ob Spezialstähle, Verbundwerkstoffe oder Sensorik – entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind spezialisierte Unternehmen involviert.
Gerade mit Blick auf Europa setzen einige Defence ETFs auf einen erweiterten thematischen Ansatz. Der Xtrackers Europe Defence Technologies UCITS ETF beispielsweise bildet den im Chart abgebildeten Index ab. Er spiegelt die Wertentwicklung eines Korbs europäischer Unternehmen wider, die mit Engagements in den Sektoren Rüstungsindustrie, Raumfahrt und Cybersicherheit in Verbindung gebracht werden. Die Titelauswahl erfolgt dabei unter anderem anhand von Patentdaten, um Unternehmen mit möglichst hoher Innovationskraft zu identifizieren. Unterm Strich können Defence-ETFs Zugang zu einem Sektor mit aktuell hoher Dynamik bei den staatlichen Ausgaben bieten. Gleichzeitig weisen sie spezifische Merkmale auf, wie eine vergleichsweise hohe Konzentration in einem Sektor und damit einhergehender höherer Schwankungsbreite. Ein genauer Blick auf die Indexzusammensetzung kann helfen, ein geeignetes Produkt zu finden. Wie bei allen ETF-Investments gilt: Defence-ETFs unterliegen Wertschwankungen und können Verluste aufweisen.
1 SIPRI, 2025, Trends in World Military Expenditure, 2024, SIPRI Fact Sheet, abgerufen am 12.03.2026: https://www.sipri.org/sites/default/files/2025-04/2504_fs_milex_2024.pdf
2 DasInvestment, 2026, Diese Rüstungs-ETFs sammelten 2025 das meiste Geld ein, abgerufen am 13.03.2026: https://www.dasinvestment.com/top-10-etfs-2025-ruestung-verteidigung-zufluesse/
3 Easyfolio, 2024, Rüstungs-ETF: Lohnt sich das Investment in Verteidigung? abgerufen am 12.03.2026: https://easyfolio.de/aktuelles/details/ruestungs-etf#:~:text=Stabile%20Ertr%C3%A4ge:,zu%20stabilen%20Ertr%C3%A4gen%20f%C3%BChren%20kann
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