
Ist Wissen in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und ständiger Verfügbarkeit von Informationen noch Macht? Oder liegt der wahre Wert heute in der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und unter Druck abzurufen? In Asset Class spricht Christian W. Röhl mit einem Mann, der das Wissen zu seiner Profession gemacht hat: Sebastian Klussmann. Der als „Jäger“ aus der ARD-Sendung „Gefragt – Gejagt“ bekannte Quiz-Europameister gibt tiefe Einblicke in kognitive Strategien und verrät, warum er sich an der Börse selbst als „ETF-Ultra“ bezeichnet.
Sebastian Klussmann ist mehr als nur ein wandelndes Lexikon. Er ist Gründungsvorsitzender des Deutschen Quiz-Vereins und weltweit einer der erfolgreichsten Quiz-Sportler. Doch im Gespräch zeigt sich schnell: Es geht ihm nicht um das bloße Anhäufen von Fakten, sondern um eine strukturierte Auseinandersetzung mit der Welt – eine Haltung, die er auch konsequent auf seine finanziellen Entscheidungen überträgt.
Wie gelingt es, sich Informationen aus unterschiedlichsten Bereichen – von lateinamerikanischer Musik bis hin zu physikalischen Gesetzen – dauerhaft einzuprägen? Für Klussmann ist die Basis jeglichen Lernens nicht Zwang, sondern intrinsische Motivation. Es gäbe ein „inneres Belohnungssystem“, das durch Neugier aktiviert werden würde.
Der Schlüssel zum Erfolg liege dabei in der Vernetzung. Isolierte Fakten verblassten schnell, doch wenn man alle Informationen in einen Kontext setze, entstünden dauerhafte neuronale Verknüpfungen. Klussmann empfiehlt, Brücken zwischen bekannten Interessen und neuen Themengebieten zu schlagen. Wer sich beispielsweise für Fußball begeistert, aber Zugang zur Physik sucht, könne sich über den Magnus-Effekt bei Freistößen dem Thema nähern.
Kritisch sieht der Quiz-Experte den sogenannten „Google-Effekt“ – die Tendenz, Informationen nicht mehr zu speichern, weil sie jederzeit digital abrufbar sind. „Je mehr ich weiß, desto besser kann ich mir die Dinge auch merken“, betont Klussmann. Vorwissen schaffe Anknüpfungspunkte. Ohne dieses Fundament fehle die kognitive Struktur, um neue Informationen – etwa komplexe Wirtschaftsnachrichten – überhaupt einordnen zu können.
Das angeeignete Wissen nütze jedoch wenig, wenn es in entscheidenden Momenten nicht abrufbar sei. Ob im TV-Studio vor einem Millionenpublikum oder bei einer wichtigen Präsentation im Unternehmen: Stressmanagement sei essenziell.
Neben physischer Fitness und Schlafhygiene setzt Klussmann auf mentale Techniken wie Visualisierung und Antizipation. Er betrachtet sich selbst primär als Denksportler und trainiert entsprechend. Prüfungssituationen oder Vorträge sollten nicht nur inhaltlich vorbereitet sondern die Situation realitätsnah simuliert werden – inklusive des lauten Aussprechens der Inhalte. „Das ist ein kognitiv ganz anderer Prozess“, erklärt Klussmann. Die bloße Erstellung von Präsentationsfolien reiche nicht aus. Man müsse sich vorstellen, wie man die Sätze formuliere und wie man im Raum stehe, um Souveränität auszustrahlen, findet Klussmann.
Seine analytischen Fähigkeiten transferiere Klussmann auch auf die Welt der Finanzen. Trotz – oder gerade wegen – seines umfangreichen Wissens über Wirtschaftsgeschichte und Märkte, verzichte er bewusst auf das „Stock Picking“, also der Auswahl von Einzelaktien. Sich selbst bezeichnet er augenzwinkernd als „ETF-Ultra“. Diese Strategie fuße auf einer tiefen intellektuellen Demut. Der Quizmeister verweist auf historische Beispiele wie Isaac Newton, der als Universalgelehrter im 18. Jahrhundert ein Vermögen in der Südseeblase verloren hat. Wenn selbst eines der größten Genies der Menschheit die Irrationalität der Märkte nicht habe vorhersehen können, sei es laut Klussmann für Privatanlegende vermessen, den Markt dauerhaft schlagen zu wollen.
„ETFs sind ja schon einfach breit genug. Jede Woche buttere ich da nach“, so Klussmann über seinen Ansatz. Seine Strategie sei geprägt von Automatisierung und Disziplin. Er bespare kontinuierlich breit gestreute Welt-Indizes. Für ihn sei die Börse kein Kasino, sondern ein Instrument zur langfristigen Altersvorsorge, das Geduld erfordere. Wissen schütze hier vor Aktionismus: „Wer die Historie der Märkte kennt, bleibt auch bei Volatilität entspannt.
Allgemeinbildung ist weit mehr als das Aufsagen von Gedichten oder Jahreszahlen. Es ist die Fähigkeit, sich in einer komplexen Welt zu orientieren, Fake News zu identifizieren und fundierte Entscheidungen zu treffen – sowohl gesellschaftlich als auch finanziell.
Sebastian Klussmann zeigt, dass Exzellenz nicht durch Talent allein entsteht, sondern durch Struktur, Neugier und die Disziplin, am Ball zu bleiben. Seine Entwicklung vom konservativen Sparer zum überzeugten ETF-Anleger ist zudem ein Plädoyer dafür, dass es für den Vermögensaufbau nie zu spät ist.
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